“künstler lieben es zu hassen”

enttäuschend war der vortrag zu kunst-aktivismus in israel/palästina im rahmen von backjumps. der vortragende aktivist von anarchists against the wall nutzte die gelegenheit eher um ausführlich seine politischen einschätzungen bzgl. der trennmauer darzulegen. im eigentlichen kunst-bezogenen teil des vortrages drückte er sein missfallen für die arbeiten von banksy aus, da dieser sie nicht im dialog mit der bevölkerung angebracht habe, zu JRs face2face projekt urteilte er dass diese einen europäischen blickwinkel unterstützen, nämlich angeblich den konflikt zu verharmlosen indem die menschen auf beiden seiten als gleich betrachtet werden. seiner meinung nach müsse kunst auf der mauer einen politischen kampf unterstützen (”there should be a political statement to support a struggle”), wie das aussieht zeigte sich dann an den computergrafiken die er als positive beispiele politischer kunst anführte, eine palästinenserflagge und ein pali-tuch, gezeichnet in einem computerspiel in dem man auf der trennmauer graffitis üben kann. eine andere aktion seiner eigenen gruppe bewegte sich thematisch schon eher nah an JR’s arbeit, und zwar wurden auf beiden seiten der mauer projektoren installiert, die eine videoaufnahme der anderen seite zeigten, die mauer also “transparent” machten.

sein vortrag war insgesamt ein politisches statement für die anliegen der palästinensischen aktivisten, kunstbeiträge mit einer vermittelnden position (das genannte beispiel JR) reduzierte er auf die aussage “dieses ‘die leute sind gleich bla-bla’” (übersetzt). als kommentar zu dieser arbeit kam von ihm: “it’s ok to do something for peace”, es sei also schon in ordnung etwas für frieden zu tun, immerhin. insgesamt war sein vortrag leider von zynismus und verallgemeinerten vorwürfe an die israelis geprägt. beispiele hierfür waren israelische statistiken, die er zwar kurz anriss, um sie dann abfällig beiseite zu wischen. auch baute er eine art beweis anhand von 2 werken und 3 bildern auf der mauer auf, dass es eine tradition in israelischer kunst gäbe bei panoramas keine palästinensischen menschen darzustellen. den vorwurf der ignoranz gegenüber palästinensern unterstütze er mit photos von den 2 seiten der mauer an einem highway, wo auf der israelischen seite eine begrünte erdaufschüttung die höhe der mauer kaschiert, auf der palästinensischen seite hingegen die mauer bis zum boden freiliegt…

andere kunstprojekte wie ein workshop von eric drooker mit lokalen jugendlichen hat er leider nur kurz erwähnt, der fokus lag auf aktionen aus seinem eigenen umfeld. diese fixierung war schade, ich hätte eine breitere betrachtung des themas interessant gefunden. seinem titel “die trennungsmauer in palästina: künstler lieben es zu hassen” wurde der vortragende im engeren sinne jedoch gerecht, denn er als ein hassender künstler stellte sein projekt vor.