noch ein paar worte zum winter in berlin

winter in berlin

Letzten Samstag haben sich 480 Leute wegen Glatteis verletzt, teilt dieses Dauerfernsehen in der U-Bahn mit. 482 muss ich korrigieren, denn ich habe mir in der Zionskirchstraße den Finger verstaucht als ich einen Böller zünden wollte. Wäre fast auf einen gefrorenen Hundehaufen gefallen. Man sollte sich halt nicht auf zu viele Sachen gleichzeitig konzentrieren, über Prenzlauerberg lästern, zur Kastanienallee schlittern, in die Kneipen gucken und lachen, Böller zünden und den Hundehaufen ausweichen.
Kurz vielleicht als Einschub eine Erklärung meiner Skepsis gegenüber Prenzlauerberg. Ich war vor Monaten mal dort, bei einer Art Poesieshow, bei der Leute die sich als die Nachfolger der Beat-Poeten sehen, ohne allerdings deren Lebensstil zu pflegen, (und deren poetische Begabung noch zur Diskussion stände) verschiedene Gedichte und Texte vortrugen. Da wurde dann über Busfahrer gelästert und über Touristen, zweiteres quasi eine Publikumsbeschimpfung, und über Neu-Berliner, eine Beschimpfung der anderen Publikumshälfte, sowie über verschiedene Stadtteile. Besonders schlecht kam der Postleitzahlbereich 12049 weg. Dort würden die Leute mehr grunzen als sprechen und alle wären dumme und verwahrloste Gangster. Da uns mit dieser Beschimpfung unseres Postleitzahlenbereichs durch die Prenzlauerberger Poeten schwer enttäuschten, fasste ich mit meinen Mitbewohnern den Entschluss nur noch höchstens alle zwei Monate dorthin zu fahren.
Ich bin also Nummer 481 der Verletzen dieser Nacht, mir tut den ganzen Abend der Finger weh. Mein Begleiter fällt in der Köpenicker Straße, in der Nähe der Köpi, einer der letzten großen Immobilien der Anarchistischen Wohnungsgesellschaft, auf den Bauch und zehn Meter weiter aufs Knie. Nummer 482.
Wir gehen in den Club Maria, Typen aus Brandenburg versuchen zu Drumm’n’Bass zu tanzen. Meinetwegen, sieht aber eher scheiße aus. Mein anderer Begleiter kriegt irgendwie einen philosophischen Film und fängt an davon zu schwadronieren wie komisch es denn sei dass diese ganzen Leute hier wie die Hippies fummeln, tanzen, die Zähne zeigen, Drogen einschmeißen und dann ab Montag wieder ganz normal zur Uni oder Arbeit gehen. Ich erklär ihm dass das mit den Hippies eigentlich schon immer so war. Mediengestalter in Skaterklamotten tanzen meine Begleiterin an, das sieht auch scheiße aus, und so betrunken wie die sind merken sie nicht mal wie sehr das nervt. Junge Dreadlockträger wollen mir alle möglichen Drogen verkaufen. Ich lehne dankend ab, hätte aber mal nach irgendwas zur Betäubung meines Fingers fragen sollen, der tut seit der Verstauchung irre weh. Jemand greift mir von hinten vorne an den Bauch, das finde ich eigentlich ganz nett wenn die Leute dann auch wieder loslassen. Passiert dieses Mal zum Glück auch. Das Problem wenn man in Berlin einen Kapuzenpullover trägt ist dass einen irgendwelche Rastafaris ohne Berührungsängste einfach mal anmachen ohne vorher zu checken ob man ihrer Zielgruppe (Frau) entspricht. Ich hab aber im Gegensatz zu Frauen wenigstens den Vorteil dass die Rastamänner sich erschrocken aus dem Staub machen wenn ich mich umdrehe. Ich will Sommer, weniger blöde Anmachen, und dass die Köpi bleibt.


1 Antwort auf “noch ein paar worte zum winter in berlin”


  1. 1 w 18. Januar 2008 um 19:21 Uhr

    schön geschrieben.
    gab kürzlich längeren text in der zeit zum prenzlauer berg als national befreite zone, sehr empfehlenswerte lektüre.

Die Kommentarfunktion wurde für diesen Beitrag deaktiviert.