freiräume?

linienstraße 206 demo autonome freiräume
bild von „berlin bleibt dreckig!“ unter cc-by-sa lizenz

eine demo (indy-artikel) mit ein paar hundert leuten zieht durch die straßen, der frontblock* gröhlt in der kastanienallee „yuppies töten ist kein mord“ und leute am lautsprecherwagen dann in der brunnenstraße “ [investorenname] aus der traum, bald liegst du im kofferraum“, auf den fähnchen steht „investoren raus“.

*edit: auf bauhaustapetes blog kommentiert jemand, dass es nur wenige leute gewesen wären, ich kann jedenfalls nicht sicher sagen dass es der ganze block war, grenze das also ein: einige leute aus den vordersten reihen gröhlten den spruch, mehr als 2 (wie dort behauptet) waren es aber sicher, da noch eine ganze ecke weiter deutlich hörbar.

es soll eine demonstration für den erhalt eines linken hausprojektes sein, der linienstraße 206. was da teilweise aber abgeht, ist rechter antikapitalismus in reinform. mordphantasien gegen yuppies und investoren, und der mob gröhlt mit. das übel der welt wird auf eine auszurottende (oder zu deportierende, zu verjagende?) gruppe von verantwortlichen projeziert.

die politische strategie soll augenscheinlich sein, szenefremden leuten und leuten mit geld angst einzujagen, um die eigenen projekte zu schützen. da frage ich mich, wozu denn diese projekte dann gut sein sollen, so bedrohlich wie sie wirken wollen, wird sich niemand mehr mit den dort angeblich zu entwickelnden gesellschaftsentwürfen, autonomen vorstellungen und utopien auseinandersetzen wollen.

gerade jetzt, wo anscheinend eine reihe von hausprojekten von räumung bedroht sind, zeigt sich die szene von ihrer schwächsten seite. da helfen auch clowns, bienchen, feuerwerk und luftballons nicht. es wurden wohl auch wieder cafebesucher attackiert, um ihnen zu zeigen, dass sie von der freiraumszene unerwünscht sind…

mal ein paar texte (z.b. gentrifizierung als ideologie) zu lesen, die aufrufe und parolen zu überdenken, würde nicht nur diese bewegung wieder links ausrichten, sondern auch den erhalt der projekte realistischer machen, da sie mehr unterstützung erhalten würden als mit den bekloppten drohungen von gestern. aber jetzt fange ich an zu träumen…

die grenze verläuft nicht zwischen oben und unten sondern zwischen dir und mir
schön hingegen dieses neue graffiti: „die grenze verläuft nicht zwischen oben und unten, sondern zwischen dir und mir“ bild von rouge cc-by-sa lizenz


7 Antworten auf “freiräume?”


  1. 1 Supporter 28. September 2008 um 0:48 Uhr

    Was an den Rändern der Demo an Unsinn gebrüllt wurde, kann nicht der Demoleitung oder dem Bündnis angelastet werden. Der Frontblock hat definitiv den Quatsch nicht mitgetragen, geschweige denn damit angefangen. Daß angesichts akuter Bedrohungen diverser Projekte die Stimmung in Äußerungen von verkürzter Kritik mündet, finde ich teilweise verständlich, auch wenn ich damit nicht die erwähnten Mordphantasien meine.

  2. 2 saltzundessick 28. September 2008 um 11:34 Uhr

    aber sicher, so wirds sein. da kommen dann irgendwelche anderen leute und rufen irgendetwas, was gar nicht im sinne der reflektierten veranstaltenden ist. und diese anderen leute sind von den yuppies,kapitalisten und cafegaesten dermassen in die ecke gedraengt, dass sie dann in ausnahmenfaellen auch mal verbal ueber die straenge schlagen. da kommt es schonmal vor, dass dann auch die eine oder andere parole, welche man sonst eigentlich nur von nazis hoeren wuerde, dabei ist.das passiert eben in der verzweiflung. so laeuft das ab. ich kann mir das sehr gut vorstellen.

  3. 3 Andrea 28. September 2008 um 20:09 Uhr

    Was soll den an dem neuen Graffiti auf der Köpi schön sein? Für mich ist das ein Ausdruck eines entpolitisierten Witzchens über die inzwischen verbaute Hausfassade der ollen KÖPI. Natürlich mit hohem Risikoeinsatz.
    Dass „die Gernze nicht zwischen den Völkern sondern zwischen oben und unten“ verläuft, ist mir jedenfalls einleuchtender.

  4. 4 saltzundessick 03. Oktober 2008 um 0:46 Uhr

    wieso sollten denn entpolisierte witzchen nicht schoen sein koennen?

  1. 1 starblog Trackback am 27. September 2008 um 21:24 Uhr
  2. 2 Bauhaustapete :: Grusel grusel Pingback am 09. Oktober 2008 um 11:27 Uhr
  3. 3 Linie 206 ist keine Tramstrecke « Linienstraße 206 bleibt! Pingback am 23. Oktober 2008 um 23:40 Uhr
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