Archiv für Dezember 2009

freundschaft

Wir haben online sooo viele Freunde, wirbt ein Springerblatt, dass wir ein neues Wort für die echten bräuchten und ob wir denn schon reif für die neue Kompaktversion ihrer selbsterklärten Berichterstattung seien. Aus anderer Richtung, wie aus der von Tiqqun, einer Reihe insurrektionistischer Manifeste in Frankreich, tönt es hingegen, dass ab jetzt alle Freundschaft politisch sei. Dafür wurde gleichmal ein ganzer Freundeskreis zerpflückt und verschiedentlich eingekerkert, als MAN ein kleines Ökoladen- und Sabotagekollektiv hinter den Texten vermutete.

Wie steht es heute um Freundschaft, da wir alle Brüder sind? Springer: 200 Freunde, das kann doch echt nicht mehr echt sein. Leute, denen kaum noch im Außenraum gegenübergetreten wird, die nur Notizen oder Clips hinterlassen und sich hin und wieder nach dem Wohlbefinden erkundigen. Und dagegen die Freundschaften: echte Weihnachtsgeschenke -wie wäre es beispielsweise mit einem Abo…- statt ein Facebookgift. Kissenschlacht -Spiel oder reserviert fürs Vorspiel- statt Mafiawars. Und alle Brüder sind wir längst, seit es nicht mehr so angesagt ist, Menschen wegen ihrer vermeintlichen Biologie zu diskriminieren. Oder sollten wir besser sagen, Biologik, oder Bioideologie? Ausgenommen sind meist dann doch noch die Schwestern, oder eben alle die trotz aller political correctness zu anders wirken um Brüder zu sein. Die Schranke im Kopf, sie stört dann auch das Anfreunden.

So setzt sich dann die eigene Gruppe aus dem eigenen Geschlecht zusammen, mit dem eigenem Aussehen, sonst fühlt es sich nicht an wie Brüderlichkeit. Das gemütliche an Freundschaft wäre aber ihre Ungemütlichkeit. Beisammen zu sein statt zusammen. Mit Menschen vertraut zu sein ohne sich ihnen auszuliefern. Jemanden nicht verstehen zu müssen, oder einzusehen, dass komplettes Verstehen ein merkwürdiges Ziel ist. Es könnte ein Modell sein, für Friedlichkeit. Oder für Helfen ohne Tausch. Denn wenn Freundschaft politisch ist, ist sie ein Raum, macht sie Raum. Ob der im Internet wuchert oder in der Stadt, er verändert die die ihn teilen. Das sich Anfreunden derer, die zu Brüdern erklärt wurden, steht noch aus. Die Grenze verläuft nicht zwischen oben und unten, sondern zwischen dir und mir.

gemütliches beisammensein