freundschaft

Wir haben online sooo viele Freunde, wirbt ein Springerblatt, dass wir ein neues Wort für die echten bräuchten und ob wir denn schon reif für die neue Kompaktversion ihrer selbsterklärten Berichterstattung seien. Aus anderer Richtung, wie aus der von Tiqqun, einer Reihe insurrektionistischer Manifeste in Frankreich, tönt es hingegen, dass ab jetzt alle Freundschaft politisch sei. Dafür wurde gleichmal ein ganzer Freundeskreis zerpflückt und verschiedentlich eingekerkert, als MAN ein kleines Ökoladen- und Sabotagekollektiv hinter den Texten vermutete.

Wie steht es heute um Freundschaft, da wir alle Brüder sind? Springer: 200 Freunde, das kann doch echt nicht mehr echt sein. Leute, denen kaum noch im Außenraum gegenübergetreten wird, die nur Notizen oder Clips hinterlassen und sich hin und wieder nach dem Wohlbefinden erkundigen. Und dagegen die Freundschaften: echte Weihnachtsgeschenke -wie wäre es beispielsweise mit einem Abo…- statt ein Facebookgift. Kissenschlacht -Spiel oder reserviert fürs Vorspiel- statt Mafiawars. Und alle Brüder sind wir längst, seit es nicht mehr so angesagt ist, Menschen wegen ihrer vermeintlichen Biologie zu diskriminieren. Oder sollten wir besser sagen, Biologik, oder Bioideologie? Ausgenommen sind meist dann doch noch die Schwestern, oder eben alle die trotz aller political correctness zu anders wirken um Brüder zu sein. Die Schranke im Kopf, sie stört dann auch das Anfreunden.

So setzt sich dann die eigene Gruppe aus dem eigenen Geschlecht zusammen, mit dem eigenem Aussehen, sonst fühlt es sich nicht an wie Brüderlichkeit. Das gemütliche an Freundschaft wäre aber ihre Ungemütlichkeit. Beisammen zu sein statt zusammen. Mit Menschen vertraut zu sein ohne sich ihnen auszuliefern. Jemanden nicht verstehen zu müssen, oder einzusehen, dass komplettes Verstehen ein merkwürdiges Ziel ist. Es könnte ein Modell sein, für Friedlichkeit. Oder für Helfen ohne Tausch. Denn wenn Freundschaft politisch ist, ist sie ein Raum, macht sie Raum. Ob der im Internet wuchert oder in der Stadt, er verändert die die ihn teilen. Das sich Anfreunden derer, die zu Brüdern erklärt wurden, steht noch aus. Die Grenze verläuft nicht zwischen oben und unten, sondern zwischen dir und mir.

gemütliches beisammensein


5 Antworten auf “freundschaft”


  1. 1 Esich Du 23. Dezember 2009 um 14:25 Uhr

    Das war noch echte Freundschaft…

  2. 2 Esich Du 23. Dezember 2009 um 15:23 Uhr

    Schade, dass das Video nicht eingefügt wurde. Es war das Lied „Mein Freund der Baum ist tot“, gedacht als Hinweis darauf, dass die besungene Freundschaft zu einem Baum, so absurd sie erscheint, im realen Erleben noch mehr Substanz aufweist als das, was da so in der Virtualität manchmal als Freundschaft verkauft wird. Wesentliches Moment einer Freundschaft ist, scheint mir, das geteilte Erleben, wenngleich auch gerade in seiner Unteilbarkeit. Gerade das eine Situation erlebt wird, von jedem Einzelnen, und das zulassen, dass das Erleben selber eben nicht zu teilen ist, somit das Andere im Freund ertragen und geliebt werden muss, scheint mir Wesentlich für Freundschaft. Die im Internet verortete Freundschaft schliesst diese Möglichkeit durch die eigene Form schon aus. In dem die formalen Möglichkeiten Gegenstand und Standpunkt fixieren, macht sie gleich und gleichermaßen zu einer Identität, die im Freund immer nur das eigene erkennt, in der sich alle nur wechselseitig spiegeln ohne auch nur eine Nuance vom anderen als Anderes wahrzunehmen.

  3. 3 Administrator 28. Dezember 2009 um 1:58 Uhr

    was du mit „Wesentliches Moment einer Freundschaft ist, scheint mir, das geteilte Erleben, wenngleich auch gerade in seiner Unteilbarkeit.“ beschreibst, versuche ich mit der formulierung beisammen statt zusammen zu treffen.

    das gemeinsame vor-ort sein schließt andere formen der freundschaftlichkeit aus (besonders im feld der gegenseitigen inspiration und stimulation über bilder ist telekommunikation freundschaftsdienlich, aber in gegenwart lässt sich natürlich eindrücklicher vorführen). und was ich berühre: was wäre ortlose freundschaft. es ist halt nur ein denkmodell um das alte „alle menschen werden brüder“ zu kontrastieren. oder um so etwas wie allgemeine solidarität konkreter zu machen.

  4. 4 twt oder karl. 24. Mai 2010 um 2:03 Uhr

    welch unsinn hier geschrieben wird.
    „Wie besitzergreifend ein Mensch ist, wie sehr er das durch Reflektion reduzieren kann und welche Bedürfnisse für ihn vorrangig sind, ist auch im Kapitalismus je nach Mensch unterschiedlich ausgeprägt. Der Widerstand, der der Warenförmigkeit des menschlichen Miteinander also geliefert werden kann, ist nicht die Aufforderung, viele Menschen gleichzeitig zu lieben, weil das Problem nicht in der Quantität, sondern Qualität der Beziehungen steckt. “ – aab (association antiallemagne berlin)

    Für mich gibt es weder die Freundschaft, noch die Treue. Welch Überheblichkeit nimmst du dir heraus und sprichst von Freundschaft? Du nutzt die Sprache ohne erkennen zu wollen, welch begriffenes du vom Begriff hast? Da hatte schon Sokrates seine Probleme mit. Doch du gehst allem Ernstes von Freundschaft aus? Das es sie gibt? Loyalität, Ehre und Tapferkeit. Oder was ist die Freundschaft? Die Besitznahme eines Menschen. Das Einnehmen des Individuums. Im Gegensatz zur AAB kenne ich nicht mal die Liebe, sie scheint mir Instrument der Atheisten geworden zu sein. Das was ihnen an Religion fehlt. Folgt lieber dem Trieb, statt dem angeblichen Bedürfnis nach einer Liebe zu suchen, die ich nicht kenne.

    Ich bin gespannt auf eine Antwort. Schicke mir doch eine Email. Sonst werde ich den Blog wohl nicht noch einmal freiwillig aufsuchen.

    Danke.

  5. 5 Administrator 24. Mai 2010 um 15:19 Uhr

    im artikel schreibe ich darüber wie leute freundschaft begreifen und praktizieren. im letzten absatz fasse ich zusammen, dass die leute die für gleich erklärt wurden (menschenrechte, bürgerliche ideologie, biologie) nicht einmal in der lage sind sich anzufreunden, da sie mit vielheit nicht klarkommen. die real existierende, da gelebte, version von freundschaft zu analysieren und von der „einheit des vielen ohne zwang“ strikt abzugrenzen ist für mich alles andere als unsinn. bevor ich auf deine bugschüsse antworte will ich erst einmal eine kritik an diesem vorgehen sehen.

    es gibt freundschaft, weil leute sie praktizieren. im obigen text habe ich die qualität dessen was als freundschaft gelebt wird kritisiert. wenn du mit anarchistischer ideologie die individualität gegen den verein verteidigst, werden wir wohl in dieser debatte nicht weit kommen und ein besuch dieses blogs wird für dich nicht attraktiv aber sicher empfehlenswert sein.

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