Archiv für Februar 2010

bauhaus, berghain, berlinale, banksy

ein wochenende in berlin

es sind sich manche besucher hier im bauhaus-archiv wirklich nicht zu schade, die politischen inhalte des bauhauses zu verneinen und historisch als vorgeschobenen repressionsgrund der rechten zu verorten. daneben steht dann eine schulklasse und notiert eifrig die schlagworte mit denen ihre beschränkten lehrenden ihnen die bauhaus-ideologie eintrichtern: every color has a form. es klingt nach: die dinge sind so wie sie das bauhaus unterrichtet, das bauhaus ist sinn- und zweckvoll, von dem könnt ihr was lernen. ich bin nicht dort um irgendwem an seinen ideologischen karren zu fahren, und schweige. gerade dass das bauhaus die dinge angenehmer anfassbar und ansehbar machte, darin ihren gebrauchswert betonte, bedeutet dass sie eine weltgestaltung anstrebten, in der wir mit modernsten gestaltungsmitteln, den maschinen, das leben der menschen weniger mühseliger und dafür freudvoller einrichten. bleibt nur zu hoffen, dass die litanei der lehrkörper die schüler ihre blicke auf die originalen unterrichtsmaterialien und die zitate an den wänden schweifen ließ und sie den mist den sie referiert bekamen als das durchschauten was er darstellt.

ich schreibe nicht über das berghain, ich denke manchmal sogar, das bild beim reingehen „fotografieren verboten“, sollte durch ein schild beim hinausgehen „berichten unerwünscht“ ergänzt werden. warum? weil die permantente rede über das berghain ein bild erzeugt, das viel zu statisch ist, das die erwartung an diesen ort so stark geformt hat, dass die einen nur wegen der reklame durch außenstehende (technobuch bei suhrkamp, technofilm im fernsehen, technobericht in springerpresse) und die anderen wegen des elitären scheins (absturzbücher von airen und hegemann, „wie kommt man ins berghain“ guides von deef) hingehen. es trifft also die erwartung von zügellosigkeit bei den einen, auf das gefühl dazu zu gehören bei den anderen. die einen wollen rausch (weit gefasst), die anderen haben ihn schon durchs reingekommen sein. dann genügt sich der besuch schon selbst, die einen finden sich und bestärken durch ihren anblick der gruppe, die auf die reklame angesprochen hat, dass die reklame stimmt. alle befriedigt.
eins noch zu den berichten, manche kommen mit dieser situation nicht klar, verständlich, und holen sich dann den rausch danach, erzählen in ihrer zeitung, ihrem blog, ihrem buch wie toll das alles gewesen sei, als die freiheit so nah schien. der hipsterblogger von iheartberlin jedenfalls, dem blog mit einem inhaltslosen und nur der selbststabilisierung dienenden kommentar zu der neudekoration der panoramabar, fiel auf jeden fall darunter. so war er dann zu sehen wie er selbstzufrieden seinen blick über die so von seinem co-blogger schonungslos kritisch (von wegen! belanglos halt.) beschriebenen werke schweifen ließ, bevor er mit einer immobilienseite auf dem iphone display durch die menge lief und endlich etwas lieferte, was den parties dort so oft fehlt: eine negative identifikationsfigur.

ein ganz schönes spektakel ist diese berlinale, die stars sind da, die filme werden ohne werbung, dafür mit applaus präsentiert. beziehungsweise muss vor dem film nicht mehr für die anderen filme und andere produkte geworben werden, die marke berlinale ist ja eh omnipräsent und hat ihre eigenen nebenprodukte wie die unansehnlichen taschen. und dann gehen die leute mit begeisterung hin. überall ein stimmengewirr, in dem es kaum um den letzten film, sondern hauptsächlich um den nächsten geht. viele sehen sich mehrere filme am tag an, klar ist ja auch nur eine woche. dabei verkommt der film – falls er überhaupt noch verkommen kann – vom eindrucksvollen und unterhaltenden medium zum marathon der kultur. leistungssportler, die sich kultur reinfahren. doch wird sie nicht mal reingelassen, es geht ja darum möglichst viele werke mitzunehmen. die kompetenz beschränkt sich darauf alles zu kennen, alles gesehen zu haben, sich ein bild gemacht zu haben. und selbst wenn es nicht so wäre, armseliger leistungssport wäre es trotzdem, innerhalb von stunden in unterschiedlichste filmwerke einzutauchen und durch die stadt von filmpalast zu filmpalast zu hetzen.

jetzt da alle banksy gut finden, wurde es zeit, dass der große unbekannte mal zeigt, was hinter den werken auf der straße steckt, sich auf die finger und ins atelier sehen zu lassen. was hiermit geschehen ist, der banksy film läuft bei sundance und berlinale und wir kriegen alles zu sehen, außer das gesicht. damit das ganze aber den subversiven anstrich bekommt, den das banksy publikum braucht um ihn auch abseits des grundsätzlich rebellisch codierten gebrauchs von sprühdosen an wänden (was ihn in einer doch recht großen bewegung ziemlich untergehen lassen würde) super zu finden, bekommt der film seine kritische note in der vorführung eines verrückten filmemachers, der im schnellspurt auch eine streetart und popart karriere startet, nur ohne selbst das ganze durch harte arbeit verdient zu haben. die szene ließ ihn ja nur mitmachen, weil sie dachten, dass er für sie arbeitet und eine doku macht, dabei filmte er nur aus wahn. das erworbene szenewissen um die subversiven styles und die starqualitäten der hervortretenden künstler, ermöglichte ihm nach dem scheitern als filmemacher doch noch den kommerziellen erfolg als bildkünstler. die moral, von der banksy behauptet, dass es sie hier nicht gebe, ist dann doch noch die, dass die masse alles toll finden, was diesen ironisch subversiven touch hat, der blick hinter die kulissen aber offenbart, wem als kenner zu folgen sei, banksy mit seinen „politischeren“ karikaturen und shepard fairy mit seiner „theoretischer“ untermauerten strategie. wie so viele produkte über streetart (etwa das legenden zur straße buch), musste dieses gemacht werden um das konzept streetart abzuschließen, theoretisch, moralisch, politisch. dieser prozess ist trotzdem zu bedauern. in dem film sagt banksy, dass er früher jedem empfohlen habe kunst zu machen, seit er auf den filmemacher traf, dies aber nicht mehr so oft tue. „kunst ist schön, macht aber viel arbeit“, außer man ist verrückt, soll also der gipfel der erkenntnis, abseits des es-gibt-keinen-witz, es-gibt-keine-moral vernebelns im film, aus den ersten jahrzehnten der streetart sein?

die entzauberung der szenen darf nicht den feuilletons überlassen werden, die kommodifizierung und vermassung der subkulturen muss aus ihnen selbst besehen und gestört/dirigiert werden. ist ein fortschritt erreicht, wie die akzeptanz von perversion in form des berghains, von progressiver gestaltung in form des bauhauses, von illegaler öffentlicher kunst in form von banksy, erst dann gilt es diese formen zu stabilisieren und auszuweiten, denn wie schon die gewählten worte (pervers, illegal, progressiv) andeuten, sind die geformten ansprüche längst nicht eingelöst, ist die reale schranke, die die schranke im kopf bedingt, noch nicht beseitigt. erst durch die überwindung der realen grenzen wird den leuten, das was schon als kulturware genießbar ist, auch zugänglich.

bildvorstellung. françois coquerel – porträt

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Zu sehen eine vermeintliche neue Sachlichkeit in der Porträtfotografie, der authentische Look der Alltagsmenschen. Nähe, geschminkte Ungeschminktheit, „Bed hair style“, sind die auftretenden kulturindustriellen Typen. Aus ihrer Entstehungssituation sind es eingefrorene Gesichter, keine exportierten Schnappschüsse der Miene im Privaten. Suche den schmalen – wenn er überhaupt existent ist – Riss zwischen dem gespielten Gesicht im Einklang mit den Typen, und dem was in der gespielten Miene das nicht-typisierte ist, das richtige Spiel, das sogar in der Methode des Bildmachens überleben kann, das zweierlei widerstehen muss, dem industriellen Stil und dem Identitätszwang der normierten Vor-bilder.