nina scholz hated den wald

wald hate hass nina scholz
bild von threesecondthrill

Zu dem von Nina Scholz verfassten Artikel Tatort Hassort: Wald für das Hate Magazin. Schlimm ist ihr das Bild vom „vermeintlich gestressten Großstädter“ – Was ist das überhaupt für eine überheblich zynische geschmacklose Formulierung, Ey, wer haten will muss fühlen – weil diese am Wochenende teilweise aus der Stadt ins Grüne außerhalb fahren.

In der Stadt findet sie es dufte, weil da gibt es den ganzen Kulturbetrieb. Was sie dann als „Zivilisation“ abgrenzt, um es der schlimmen Ruhe im Wald gegenüberzustellen. Als ob es in Europa oder eben in Toronto, wo sie mal im Urlaub war, einen unkultivierten Urwald geben würde. Das was Scholz als Wildheit wahrnimmt, „Bäume, Tiere, Ungeziefer und das Schlimmste: Ruhe“ ist ein von Menschen gepflegtes und reguliertes System zur Nutzung als Rohstofflieferant, Erholungsgebiet und Recyclinganlage für Luft und Wasser. Also mitnichten das Paradegegenteil der von Stadtverwaltung statt vom lieben Gott (ihre Formulierung) angelegten Parks, wo sie auch mal ihren Po auf den Boden packt, aber nur mit Decke, Bier, Zigarette und Ipod – eh klar: Bohème oblige.

Nun, als sie dann eben in Toronto war, hat sie sich rausgewagt in den Wald und ziemlich schnell gemerkt (also gefühlt, verstanden hat sie garnichts) was ihr eigentliches Problem ist: Langeweile! Dieser ihr verinnerlichte Reflex auf das objektive Grau ihres ach so kulturellen und abenteuerlichen Alltags in der Stadt lässt sie das Grünbraun der Pflanzen hassen. Und zurück fliehen in die Ordnung (im doppelten Sinne: die Stadt, wo für sie die Welt in Ordnung ist, durch offensichtlichere zivilisatorische Formen wie gerade statt krumme Straßen. und zurück in die gesellschaftliche Ordnung, sich in die Komplexität eingliedern, statt Unordnung und Perversion, wie Kontakt mit Schlamm und Bäumen, nachzugehen). Zurück in die Stadt, wo das Trottoir immer in der Nähe ist. Ein Hobby hat sie neben dem spannenden Alltag zwischen Galerie, Cafe und Buchladen angeblich auch noch: Leute anschreien. Denn die sind ihrer Meinung nach Schuld an ihrer schlechten Laune.

Es zeigt sich vor allem eins: die Großstädte die wir haben, sind der ideale Ordnungsraum für die postmodern beliebigen bohemian Hater. Hier passen sie rein, in ihre subkulturellen Lücken, hier fühlen sie sich wohl, als Kulturkonsumenten, die sich von der Masse abheben, dadurch dass sie ihre Langeweile so weit übertüncht haben, dass sie wieder fähig sind zu hassen. Etwas Langweiliges halten sie nicht aus, dazu sind sie viel zu gelangweilt. Amusement als Verlängerung der Arbeit, eine Freizeit die nie leer sein darf, da sie in Unfreiheit konsumiert wird. Etwas das erst hinter der Fassade nützlich ist, wie ein Baum, der von einem Förster über Jahrzehnte hinweg gepflegt wird, um unsere Luft zu recyclen oder irgendwann ein Tisch zu werden, erscheint ihnen leer, gibt ihnen nichts im Gegensatz zu einer Kulturware: zum Beispiel die Gemälde in einer der vielen Galerien, die ihnen die Stadt so lebenswert erscheinen lassen. Da ihnen aber anscheinend die kulturelle Kompetenz der Kontemplation abgeht, erscheint sowieso fraglich was sie aus dem Kulturkonsum ziehen. Ich vermute nur Futter für das Ego, etwas das sie, wenn überhaupt, nur soviel anregt Leute anzuschreien und Bäume zu treten, oder zumindest zu behaupten das zu tun.