Interface

gesichtsphilosophie faciality history face philosophy

Die Schnittstelle (das Interface, das Blicken und Aussstrahlen) überwindet nicht nur den Raum: Ansehen ist einfühlendes Sehen, Gesichtssehen ist Gefühlsbegreifen. Nicht aufs Unmittelbare. Der Modus beim Ansehen ist kein Zerlegen, sondern ein Einfühlen, ein konstellatorisches Zusammendenken

Äußerlichkeit ist teils gespielt und teils unbewusster visueller Ausdruck des Gefühlten. Die Sprache ist daher das passende Modell, nicht das freigelegte, abgehörte Herz, das erkannte Gesicht, der Lügendetektor. Die maskenlose Kommunikation wäre die Abschaffung der Kunst, die in anderen Vorstellungen vielleicht im Mienenspiel aufgehoben wäre. Anders wäre jedoch die Hoffnung zerschlagen.

Suche den schmalen – wenn er überhaupt existent ist – Riss zwischen dem gespielten Gesichtsausdruck im Einklang mit den Typen, und dem was in der gespielten Miene das nicht typisierte ist, das richtige Spiel, das sogar in der Methode des Abbildmachens überleben kann, das zweierlei widerstehen muss, dem industriellen Stil und dem Identitätszwang der normierten Vorbilder. Abstrakter wird es scheinbar wenn der ganze Körper spricht, die Gesichter sind zu trainiert.

Das Gesicht ist in der Krise der Geschichte verfangen, versuch Gute Gesichtsphilosophie zu machen, nicht Gesichtsphilosophiererei. Es geht nicht um die Wahrheit, die Unmittelbarkeit, die totale Vermittlung von allen mit allen, die totale Transparenz, das Bescheid wissen über das Innen- und Außenleben aller Mitmenschen, es geht um weniger Gewalt (bis zum letzten Schmerz ein Mensch zu sein, des endlos freien Menschen) und eine andere Qualität, es geht um die Bedingungen der Gesichter, die Gesichter die der Geschichte unterworfen sind.

Die Miene stellt sich dar als ein gespieltes und als gespielt empfundenes Zeichen, bei dem, offensichtlicher als bei den Worten, ein offener Raum mitgedacht wird. Es ist schlichtweg eine Herausforderung dieses Thema in Kunst aufzugreifen, da ganz bewusst ein offener Prozess gestaltet werden muss, was Teilen gegenwärtiger Kunst und ihrer Mentalität des Effektheischens gegen den Strich geht, sei es nun Highpass am Mischpult, Signalfarbfelder, Symbolschlacht, Cartoonfigur oder Hartewortepoesie. Gemeint ist aber auch keine Beliebigkeit, unpolitisch nichtsagend, unendlich offen dahinzuknipsen und klecksen.

Darum geht es (manchen) beim pochoir/stencil. Abstraktion des Gesichtsausdrucks, zu ahnen wie durch ein Tuch. im Gegensatz dazu: Mona Lisa, dieses unergründliche erfolgreiche Kulturprodukt.

Mienenspiel: Eine Utopie, in der die Menschen mit einem zentralen Kommunikationsorgan, dem spielerischen Zeichensystem Gesicht, wirklich frei Spiele spielen. Nur gibt es keinen geschichtlichen Bruch, nach dem Motto heute nur Lookism, als zwanghafte Adaption der äußerlichen Normen, und morgen das freie Mienenspiel, sondern in der Wahl, zu schweigen und das Gesicht sprechen zu lassen liegt eine, von so vielen, Möglichkeit zur Entfaltung von Kommunikation: Nicht verstanden werden zu wollen, sondern zum Einfühlen aufzufordern. Diese Geschichte braucht Vorbilder.

Wir bezahlen schon mit Likes, vielleicht bezahlen wir bald mit einem Lächeln, die Stadt wird zum Laufsteg der Überflüssigen, die total Integration der Kulturindustrie versöhnt sich mit der Biopolitik. Die Klasse der Gesichtsperformer und die freigelegten Mienen der Beherrschten, die sich nicht beherrschen können. Wir müssen unsere zarten Mienenspiele anerkennen.

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Literatur


1 Antwort auf “Interface”


  1. 1 interface « el Pingback am 28. Oktober 2011 um 14:06 Uhr
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