Archiv für April 2013

Deutsche Bank Macht Kunst

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deutsche bank kunsthalle berlin
Berlin konnte sich keine Kunsthalle für Gegenwartskunst leisten, nun macht die Deutsche Bank eine. Und ruft unter dem Motto Macht Kunst dazu auf, Bilder einzuliefern, die alle aufgehängt werden, um 24 Stunden gezeigt zu werden. War es 1848 noch so, dass im Zuge revolutionärer Veränderung die zentrale Kunstinstanz und Institution (der Salon) für alle geöffnet wurde, so existierte bereits ab Mitte des 19. Jahrhunderts eine Krise dieser Institutionen (mit Gegensalons und z.B. dem unabhängigen Pavillon von Courbet auf der Weltausstellung). Erst wurde eine Gleichheit der Zugangsbedingungen unter den Künstlern etabliert (Salon in der Revolution), dann die Gleichheit auf dem Markt ausgetragen (Vielheit der Ausstellungen ab den 1860er Jahren). Danach kam das Jahrhundert der gescheiterten Gegenbewegung (Surrealismus, Dada, Lettrismus, Situationismus, Fluxus, Happening…), mit am Ende einer Altermoderne, die Künstler nur noch als unbezahlte Praktikanten für das Kunstevent braucht und schließlich die Gleichheit und die Marktkonkurrenz auf die Spitze getrieben hat: Im Jahr 2013 läd die Deutsche Bank explizit auch lediglich Kunstbegeisterte ein (der Aufruf richtet sich an diese, und an Künstler, Hobbyfotografen, Studenten…), Leinwände abzuliefern. Allein die Einschränkung auf Leinwände zeigt schon, es ist ein Kunstevent, es geht nicht um die unbezahlten Praktikanten in der Schlange, sondern der Kurator ist hier der Künstler, sozusagen der einzige der wirklich in ein Verhältnis mit der Bank getreten ist. Der Kunstbetrieb eignet sich die Struktur von Streetart an, alle dürfen mitmachen, solange sie einen Platz finden und ihr Werk geeignet ist flach an einer Wand zu hängen. Die Auflösung der wissenschaftlich-kritischen Institutionalisierung, die Hektik der Konkurrenz, das heißt Künstler nicht ernst zu nehmen, sondern mit Hobbyisten zusammen aufzuscheuchen. Die reformierte Kunstinstitution reformiert die Künstleridentität.