Archiv für August 2020

Über junge Frauen als Motiv in der Streetart von El Bocho und XOOOOX

El Bocho XOOOOX Pisa73

Streetart basiert sehr oft auf der Darstellung von Frauen, die dann überall hingeklebt werden. Manche Künstler waren und sind damit über Jahre erfolgreich und prägten die Straßen damit. Streetart wird scheinbar viel seltener als patriarchale Kunst kritisiert. Wenn man sich aber z.B. zwei sehr populäre und lang aktive Berliner Streetart Künstler anschaut, XOOOOX und El Bocho, so kreist ein Großteil ihres Werks darum junge Mädchen zu zeigen die nachdenklich durch die Gegend gucken. Andere wie Pisa73 haben im Streetart Hype um 2010 in Berlin direkt Pornografie als Vorlage für ihre Schablonenarbeiten verwendet und wurden in mehreren Gruppenausstellungen ausgestellt.

Streetart gilt als rebellisch und non-konform. Selbst diese platten Motive des „nachdenklichen Mädchens“ scheinen stark beliebt beim links-alternativen, auch weiblichen Publikum. Die grundsätzliche Selbstermächtigung der Streetart, das Claimen von Stadtraum, beinhaltet dazu auch noch eine enorme Sichtbarkeit dieser Motive, die sich dann völlig unrebellisch zu den sehr ähnlichen Darstellungen von Frauen in der Werbung gesellen, sich mit ihnen den Raum teilen.

Was wir beobachten können, ist wie mit El Bocho und XOOOOX zwei männliche Künstler Mitte der Nullerjahre ganze Stadtteile in Berlin mit Bildern von durchweg jungen Frauen mit verträumt romantischen Gesichtern mit leicht offenem Mund (El Bocho) oder jungen Fashion-Models (XOOOOX) überzogen. Diese Monotonie und Masse macht es endgültig zu einer problematischen Ästhetik – wenn wir mal die motivische Beschränktheit des Themas außen vor lassen. Also wenn man akzeptiert, dass es einfach nur romantische Frauengesichter sein sollen (so El Bocho selbst zu den “Citizens”) und dass sie zu einer Kunstgeschichte des Porträts einer jungen Frau gehören (worüber man extra diskutieren müsste, was an dieser Tradition gut oder schlecht ist).