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Warum sind Kunstwerke von Frauen weniger wert?

Warum sind Kunstwerke von Frauen weniger wert?

“Warum sind Kunstwerke von Frauen weniger wert“. Gut dass sich STRG_F dem Sexismus der Kunstwelt widmet, schade dass sie in neoklassischen kulturökonomischen Zirkelschlüssen ergehen und die naheliegende Antwort, dass die Kunstwelt vielleicht einfach noch ein starkes Sexismusproblem hat umschiffen, unter anderem mit Formulierungen wie ab Minute 17:00: “Der Kunstmarkt ist irgendwie so ein Teufelskreis”, “Die Sammler sagen aber dann, naja ich kann ja nur das kaufen was auf den Messen ausgestellt wird oder in Galerien hängt”, “Dann gibt’s ja noch die Kunstausstellungen, die beinflussen den Faktor, der Faktor beeinflusst wieder den Wert.“ Warum sind Kunstwerke von Frauen weniger wert? | STRG_F

Zu diesem “Faktor” kommen wir gleich nochmal. Der anti-feministische Backlash in den Kommentaren unter dieser Doku ist ekelhaft und borniert, aber an den Schlusssätzen der Doku zeigt sich dass das gestellte Rätsel (Warum sind Kunstwerke von Frauen weniger wert) unangetastet bleibt. Der Kunstmarkt ist kein Teufelskreis. Der Teufelskreis ist viel größer, die gesamte Produktion, Vermittlung und Zirkulation von Werken ist männlich dominiert, wie in der Doku gezeigt wird, lange institutionell fundiert und bis heute sich haltend. Zwei Punkte kommen leider nicht zur Sprache, erstens wie hegemoniale Männlichkeit und die Idee der Kunst verzahnt sind (männlicher Geniekult, male Gaze, etc.) und zweitens dass wir es mit symbolischen Gütern zu tun haben, an deren Wertbildung zahlreiche Instanzen mitwirken (Universitäten, Labore, etc.). Auch warum es zum Beispiel mehr Sammler als Sammlerinnen gibt, das wird gar nicht erwähnt, der Fokus müsste hierzu nicht nur größer sein als der Kunstmarkt oder die Kunstwelt, sondern müsste Geschlecht und Klasse in größerem Rahmen einbeziehen. So wie hier der Fokus auf den Kunstmarkt (als Teufelskreis) gelegt wird, verschiebt sich der Fokus aber sogar weg von der Reproduktion von Sexismus in der Kunstwelt.

Der Ausgangspunkt ist ein kulturökonomisches Paper: “In the secondary art market, artists play no active role. This allows us to isolate cultural influences on the demand for female artists’ work from supply-side factors. Using 1.5 million auction transactions in 45 countries, we document a 47.6% gender discount in auction prices for paintings.“ Adams/Kräussl/Navone/Verwijmeren (2018). Kulturelle Einflüsse (wie Sexismus), drücken in so einer Perspektive die Preise. Das motiviert die Reporterinnen aber nicht danach zu suchen wie die Kunstwelt den Sexismus reproduziert, sondern eigentlich nur nachzuweisen, dass er sich statistisch abbildet. Solche zirkulären Schleifen sind der kulturökonomischen Methode innerlich, die ihr Gegenstück in Aussagen zur Wert-Gleichung eines Kunstwerks hat, dessen Preis sich angeblich aus Breite+Höhe*kulturökonomischer Wert (vermutlich laut Artfacts Ranking) berechnet. Des Rätsels Lösung (Warum sind Kunstwerke von Frauen weniger wert) ist aber eher: sie kosten weniger, weil die Sammler weniger für sie zahlen wollen. Das wollen sie aber nicht weil sie weniger ausgestellt werden, sondern wegen einem grassierenden Sexismus in der Kunstwelt, der Frauen weniger Kunstfähigkeit zuschreibt. Das wäre die Erklärung für die Auktionspreise, oder wir suchen den geringeren Wert, dann müssen wir aber kulturökonomische Einflusstheorien hinter uns lassen und Kunst, Wissenschaft, Sammeln in ihrem Sexismus und in ihrer Ökonomie ansehen.

Über junge Frauen als Motiv in der Streetart von El Bocho und XOOOOX

El Bocho XOOOOX Pisa73

Streetart basiert sehr oft auf der Darstellung von Frauen, die dann überall hingeklebt werden. Manche Künstler waren und sind damit über Jahre erfolgreich und prägten die Straßen damit. Streetart wird scheinbar viel seltener als patriarchale Kunst kritisiert. Wenn man sich aber z.B. zwei sehr populäre und lang aktive Berliner Streetart Künstler anschaut, XOOOOX und El Bocho, so kreist ein Großteil ihres Werks darum junge Mädchen zu zeigen die nachdenklich durch die Gegend gucken. Andere wie Pisa73 haben im Streetart Hype um 2010 in Berlin direkt Pornografie als Vorlage für ihre Schablonenarbeiten verwendet und wurden in mehreren Gruppenausstellungen ausgestellt.

Streetart gilt als rebellisch und non-konform. Selbst diese platten Motive des „nachdenklichen Mädchens“ scheinen stark beliebt beim links-alternativen, auch weiblichen Publikum. Die grundsätzliche Selbstermächtigung der Streetart, das Claimen von Stadtraum, beinhaltet dazu auch noch eine enorme Sichtbarkeit dieser Motive, die sich dann völlig unrebellisch zu den sehr ähnlichen Darstellungen von Frauen in der Werbung gesellen, sich mit ihnen den Raum teilen.

Was wir beobachten können, ist wie mit El Bocho und XOOOOX zwei männliche Künstler Mitte der Nullerjahre ganze Stadtteile in Berlin mit Bildern von durchweg jungen Frauen mit verträumt romantischen Gesichtern mit leicht offenem Mund (El Bocho) oder jungen Fashion-Models (XOOOOX) überzogen. Diese Monotonie und Masse macht es endgültig zu einer problematischen Ästhetik – wenn wir mal die motivische Beschränktheit des Themas außen vor lassen. Also wenn man akzeptiert, dass es einfach nur romantische Frauengesichter sein sollen (so El Bocho selbst zu den “Citizens”) und dass sie zu einer Kunstgeschichte des Porträts einer jungen Frau gehören (worüber man extra diskutieren müsste, was an dieser Tradition gut oder schlecht ist).

Filme über linke WGs im Sommer wenn die Eltern verreist sind

Godard La Chinoise
Bertolucci The Dreamers

In Godards La Chinoise (1967) wird über Imperialismus und die Kulturrevolution in China diskutiert, eine konspirative bewaffnete Zelle gegründet und einer von 5 wird rausgeschmissen weil er nicht einverstanden ist. Studiert wird in Nanterre. In Bertoluccis The Dreamers (2003) wird über Filme diskutiert, sexuell experimentiert, die auch von Guy Debord bekannte Anekdote des fast wären wir von einem Mitglied der Gruppe im Ofengas gruppensuizidiert worden kommt vor, dann werden Molotow-Cocktails geworfen und einer von 3 wird zurückgelassen weil er die Aktion nicht mitträgt. Studiert wird an der Sorbonne.

Unstoppable? An Image of the 2010s in Berlin

A commercial wholetrain, with an adhesive design of the urban artist Shepard ‘Obey’ Fairey, who recycles socialist movement graphics from the past for his succesful imagery.

What a powerful statement for 21st century Berlin: this is the kind of art that is wanted here, playful and ignorant mixing of historical aesthetics, peel-off muralism as a train advertising. Funded by tax money.

Read on the Sh.I. blog

Data breaches are not the problem, the app cult is the problem

Cambridge Analytica whistleblower
Don‘t trust this hacker:

“The look of performative guilt on the Cambridge Analytica dude’s face in every photo is the biggest giveaway of his obvious expectation to be given the Chelsea Manning or Snowden treatment despite the fact that everything he says indicates the whole episode has been a game to him“ Toby Shorin

Why the app cult has to be stopped, for si-blog.net:

To sum up the privacy problem of social media: Users give access to their data and to the data of their „friends“ by using all these little tests and games, the so called „apps“. The way these apps are marketed you can‘t decide what to share, you get a „free“ product in exchange for data. You can only click accept on the whole access bundle. The only way to „cheat“ this should be to run apps in a sandbox.

From the side of the host (in this case facebook) no controlling contracts for this procedure exists, once the third parties have the data they do whatever they want with it. Because you know, the user accepted this by clicking accept on a free app that only has an accept button and no room for selection access options. It is a deal between user and third party. The conditions of this deal are highly problematic! It is neither facebook selling your data, nor a data breach, just a deal with really bad conditions, your and your network’s data in exchange for some code. This marketing scheme is pushed by all the tech companies that constitute the app cult, be it Google Play, App Store, Windows Apps, Facebook Apps, Twitter Apps.

This company „Cambridge Analytica“ that is currently discussed had users take psychological tests and give access to their friends data. This data then is very useful to run a campaign, because your advertising/propaganda will be highly individually targeted. Don‘t believe the hype around Cambridge Analytica. Their psycho-cyber-warfare phantasies are not the real danger. Changing ways of marketing software are.

In the end facebook and the other tech companies are to blame for this app system. They completely took away from users the possibility to choose what to share. The current contracting system is: you get this for free, in a full exchange for all this third-party service decided.

Time and Value in the Digital Sphere

time clock

After Artistic value in digital communication (2016), here’s a new essay over at Shades Magazine on value in the digital sphere, on the economy of the free* services (*paid for by the digital labour performed by the users).

Excerpt:

how to organise the users that are facing the most powerful treat: things that cost somethings are given apparently for free, by rendering the work invisible. We should re-introduce the clock in order to arm the people for the battles around their time. To feel the pain of a calculated life instead of staring at the feed, necessitates to calculate your efforts, and organize with others in order to organise the shaping of the world and life, to re-enter the flow and to hack the feed. We don’t need free culture, we need to renogotiate the value of the work that is done and identify the modes of profit that are behind all that appears free.

Read it here.

Φ – feed art

phi golden ratio parliament fight
A common reaction of these last years to the violence in particularly theatrical images from current events has been to place a spiral over them, in order to perform a fake ‚revealing‘ of their classical construction. Events as images as quasi-paintings. This spiral is of course the golden ratio, or Φ. What is happening here, is that the violent is made beautiful through pointing out order in a situation where order is seemingly falling apart. But in fact order is becoming obvious here, Barbara Kruger’s „You construct intricate rituals which allow you to touch the skin of other men“ was the better proto-meme from the 1980s for this.
barbara kruger rituals touch skin other men

But the Φ spiral gains a special potentiality on the feed. Users move along the feed, casually examining what passes by, a bit like passengers on a train looking out the window and non-reading the graffiti along the train line. The eye jumps from post to post, while the content scrolls. The spiral on and in the image is a counter movement to this. It guides the eye movement back into the feed, a bit like clickbait headlines want to draw you behind or beyond the feed. A contrast to the 1960s Yarbus study about eye-movements according to how tasks guide the visual search process when we encounter images. We search along the feed, and are derailed and led along a harmonic structure through an image. And the fact that we now all know the harmonic structure, the Φ spiral, helps to have us seduced.
Alfred Yarbus eye tracking

The Φ spiral is a very potent graffiti, it goes back beyond the lettrism of writing vandalism, back to the pure art of vandalism, the scratching of lines in walls. A spiral line is carved digitally in the images.

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This note on golden ratio spiral memes was written for the phi pavillon of the wrong biennale 2017.

Vom Bilderverbot zum Fotoverbot


„Alle unsere Maschinen sind Bildschirme, wir selbst sind Bildschirme geworden und das Verhältnis der Menschen zueinander ist das von Bildschirmen geworden“ Jean Baudrillard: Videowelt und Fraktales Subjekt. In Ars Electronica (Hg.): Philosophien der Neuen Technologie, Merve, 1989. S. 113-130, S. 130

Identität und Reue sind fest verbunden. Das Subjekt findet sich in einer Krise angesichts der Brüche der Geradlinigkeit der Individualgeschichte. Der Machtmechanismus der Identifizierung kontrolliert die Vierdimensionalität der Identität: das Bild, die Bewegung, die Geschichte. Exemplarisch also: die fotografischen bildgebenden Verfahren machen aus Situationen nicht nur spektakuläre Repräsentationen (zusätzlich verewigt und verteilt im Netz) sondern erzeugen Reue.

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Siehe auch:

Was üben wir, wenn wir die die Kameras und mobilen Bildschirme aus der Gleichung nehmen? Zum Beispiel Gesichtlichtkeit*:

There is a notable difference between raves where people touch your face and try to force your mouth in the shape of a smile because they just need THAT SMILEY everywhere, that terror sign, one of the „signs of techno“ that Katja Diefenbach mentioned. And other raves where they celebrate the joy in the trenches of the landscape of my face. Everyone: Take off your faces, go out, take it all in! And once you loose the signification of the face, your whole body becomes a face.

Dark Surfaces

*„Heureux celui que l’écœurement des visages vides et satisfaits décide à se couvrir lui-même du masque : il retrouvera le premier l’ivresse orageuse de tout ce qui danse à mort sur la cataracte du temps. Il apercevra que les réponses n’étaient comme des os rongés jetés aux chiens que les formules propres à maintenir l’esclavage paisible du travail.“ Georges Bataille, Le Masque
[Rough translation: Happy is he who’s own disgust for the empty and satisfied faces leads him to cover himself with a mask: he will be the first to rediscover the stormy euphoria of all those who dance to death on the cataract of time. He sees that answers one gets are just like bones thrown at dogs, a process that makes you function in the slavery of work.]

- Reader Interfaciality
- Queering faciality

Blogging is back – Es wird wieder gebloggt

space amoeba 19070
Gif: Space Amoeba, 1970.

Es wird wieder gebloggt, es wird darüber geredet wieder zu bloggen, es wird weiter gebloggt:

Warren Ellis: Reblog: the world’s most minimalist radio station

Nerdcore: Feeeeeds: Es zeichnet sich (endlich) das überfällige Blog-Revival ab

Reza Negarestani: Returning to the Age of Blogging: between formal and informal, essay-form and rambling, preaching and scolding: In short, this blog’s mission is the comprehensive corruption of the youth.

Blogs blogs blogs:

The Charnel-House
Men’s Studies
E-flux conversations
Shades Magazine
Art Leaks
Artfcity
McKenzie Wark
Prosthetic Knowledge
Open Culture
Ästhetik und Gesellschaft
50Watts

Kunstwert in digitaler Kommunikation – Artistic value in digital communication – H καλλιτεχνική αξία στη ψηφιακή επικοινωνία

wrongrid wrong biennale

The vastness of the digital realm destroys its own restrictions. Its endless wealth is provided in the form of art, inexhaustable, this generates potentials. In that sense, the net is a catalyser for activity beyond its own media. This happens, like described above for visual art, in constantly when we encounter artistic visuality, but it remains important how consciously this is happening.

English

German

Greek

Audience


aus: Ruins. The body in the eye of art. In: Offline Samizdat Magazin Nr. 3 (2014)

The screen generation, indonesian translation

The screen generation from 2008, the Cult of the Dead Cow textfile #412, has been translated to indonesian. Thank you!

Pada dasarnya web adalah salah satu medium komunikasi kita, sehingga ini juga menyangkut aspek negatif serta kontradiksi umumnya yang terjadi dalam masyarakat kita. Ia juga dapat berfungsi dalam membangun ruang bebas serta penyebaran kritik terhadap kekuasaan yang mapan, atau juga kritik terhadap realitas itu sendiri. Sebuah ruang yang penuh dengan pengetahuan dan inspirasi. Aku menuliskan ini hanya sebagai kontribusi kecil, mungkin saja seseorang akan terbangunkan dari jam onlinenya yang tak berujung, atau ia yang telah kembali menemukan dirinya sendiri. Ini adalah kata-kata seorang muda; yang telah memiliki akses ke internet hampir dari separuh hidupnya. Menulis itu dirasa perlu, dan sepertinya sekarang saat yang tepat untuk merekam pemikiran tersebut dan melakukan refleksi.

there are also two follow-ups to that text, see this post on the shituationist institute. Also about the same topic is the text Cyberpunk is dead, from 2011, which was translated to french. „Kids this days like them lolcats“ is a mix of the comments that the cyberpunk text received, which were really well informed and much more precise. here is a list: screen generation texts.

The gravity problem in the equestrian statue

Progress in the technology of casting allowed for the equestrian statue to rise from the ground. In the animation we can see this historical development in just seven frames.

view at Homeostasis Lab

Silberne Buchstaben in goldenem Licht

rebel:art » Serie: El schreibt über Graffiti #8

shituationist institute birthday speech

While we agree that sometimes the outcome of the experiment are just zombies that stumble home on friday morning after thursdays rave, we still would like to ask if they are that much different zombies than the sleepy school kids on their way to class that cross their way at the metro station in the morning, as they leave and head for their respective institutions. Both in school and in the club different modes of destroying and evolving your mind and the rest of you can be imagined and are performed, that’s all.

read: 5 years of shituationism

Uferweg

Mediaspree, Megaspree, East Side Gallery, Kater Holzig, Möhrchenpark, Living Bauhaus

Nach den Konzepten Wagenburg, Strandbar, Mediaspree und Megaspree, ist die neue Runde der Auseinandersetzung um die Ästhetik der inneren Spree eingeläutet. Falls es jemanden interessiert, ich bin ja Fan des Uferwegs (beispielhaft rudimentär am Verdi-Gebäude umgesetzt), erinnert mich an das Pariser Seine-Ufer.  An den Berges de Seine als ein wirklich nutzbarer öffentlicher Raum modernisiert, als abgetrennte Ebene unterhalb des Verkehrsraums ein ruhiger Ort am Fluß zum gemeinsamen Verweilen, dort finden dann hin und wieder geförderte kostenlose Konzerte statt. Ein riesen Unterschied sowohl zu der Touristenschleuse an der Eastside-Gallery, und dem daneben anliegenden Werbetafelhafen, als auch zu den Uferpfaden die sich durch die Möhrchenparkkiosklandschaft und die Bürogebäude schlängeln sollen. Und die Clubs in Paris sind einfach auf Boote ein Stück den Fluß runter verfrachtet, als Partymeile am Port de la Gare und Port De La Rapée, am Ufer davor eine ausgelassen trashige Stimmung wie an der Revaler Straße, weil ja viele feiern möchten, aber nicht alle den Eintritt zahlen können.

Paris 2013

July 2013 saw two discussions about graffiti in Paris. One included two scientists of the EHESS and the ministry of culture discussing with writers coming from the 19th district of Paris, the Paris region in general, from South Africa and from Senegal about the artification of graffiti and the role of graffiti in gentrification. The other one was a meeting initiated by the Graffiti Research Lab, on the topic of tagging. One highlight included the audience, a lightwriting-artists and a calligrapher discussing lively about the beauty and ugliness of fire extinguisher tags. -> A report on the Just-blog

Deutsche Bank Macht Kunst

a quick english translation can be found here
deutsche bank kunsthalle berlin
Berlin konnte sich keine Kunsthalle für Gegenwartskunst leisten, nun macht die Deutsche Bank eine. Und ruft unter dem Motto Macht Kunst dazu auf, Bilder einzuliefern, die alle aufgehängt werden, um 24 Stunden gezeigt zu werden. War es 1848 noch so, dass im Zuge revolutionärer Veränderung die zentrale Kunstinstanz und Institution (der Salon) für alle geöffnet wurde, so existierte bereits ab Mitte des 19. Jahrhunderts eine Krise dieser Institutionen (mit Gegensalons und z.B. dem unabhängigen Pavillon von Courbet auf der Weltausstellung). Erst wurde eine Gleichheit der Zugangsbedingungen unter den Künstlern etabliert (Salon in der Revolution), dann die Gleichheit auf dem Markt ausgetragen (Vielheit der Ausstellungen ab den 1860er Jahren). Danach kam das Jahrhundert der gescheiterten Gegenbewegung (Surrealismus, Dada, Lettrismus, Situationismus, Fluxus, Happening…), mit am Ende einer Altermoderne, die Künstler nur noch als unbezahlte Praktikanten für das Kunstevent braucht und schließlich die Gleichheit und die Marktkonkurrenz auf die Spitze getrieben hat: Im Jahr 2013 läd die Deutsche Bank explizit auch lediglich Kunstbegeisterte ein (der Aufruf richtet sich an diese, und an Künstler, Hobbyfotografen, Studenten…), Leinwände abzuliefern. Allein die Einschränkung auf Leinwände zeigt schon, es ist ein Kunstevent, es geht nicht um die unbezahlten Praktikanten in der Schlange, sondern der Kurator ist hier der Künstler, sozusagen der einzige der wirklich in ein Verhältnis mit der Bank getreten ist. Der Kunstbetrieb eignet sich die Struktur von Streetart an, alle dürfen mitmachen, solange sie einen Platz finden und ihr Werk geeignet ist flach an einer Wand zu hängen. Die Auflösung der wissenschaftlich-kritischen Institutionalisierung, die Hektik der Konkurrenz, das heißt Künstler nicht ernst zu nehmen, sondern mit Hobbyisten zusammen aufzuscheuchen. Die reformierte Kunstinstitution reformiert die Künstleridentität.

Graffiti und Gentrifizierung

rebel:art » Serie: El schreibt über Graffiti #7

100 Probleme eines figurativ-abstrakten Expressionismus

veröffentlicht in Pareidolia #16

the screen generation III: cargo cult and gadget cult

„Rather than give out laptops (they‘re actually Motorola Zoom tablets plus solar chargers running custom software) to kids in schools with teachers, the OLPC Project decided to try something completely different: it delivered some boxes of tablets to two villages in Ethiopia, taped shut, with no instructions whatsoever. Just like, ‚hey kids, here’s this box, you can open it if you want, see ya!‘“ Ethiopian kids hack OLPCs in 5 months with zero instruction

the OLPC (one laptop per child) project found, that if you give learning technologies to kids, they learn something. what a surprise…

but the experiment went like this: people who are poor and thus excluded from education learned very fast how to handle a hightech device by motorola. after a short period of time the kids knew how to write in english, they learnt it by using the devices, and taught it also to their parents. dropping some fragments of wealth and then leaving the people alone with it, in the past from this came cargo cults (see WP for some documentations), religious practices, that fixed themselves to the technologies of transmission, resulting for example in cultist statues, that resemble the planes that drop relief items. connected to this would be the gadget cult. people who learn at a screen, don‘t just learn, they also learn how to be a screen worker. the difference to just placing children in front of a TV would be that these new screens have more interactive interfaces. instead of just being able to switch channels, now the kids can choose apps. but how similiar that is, that’s also a sad side of the project: instead of just giving access to high-tech, another cult was served, the app cult. it wasn‘t planned to teach the kids how to handle computers, but they should become users of very specific software. the kids didn‘t stick to this regulation, apparently they hacked their devices. it’s nice that this happened, but we wouldn‘t have needed this experiment to see that the app cult can be stopped. this is proven every day everywhere, by the speed in which every locked device is given mod-chips and jailbreak-codes.

Graffiti als Soziales Medium

rebel:art » Serie: El schreibt über Graffiti #6

Gesichter und Buchstaben

rebel:art » Serie: El schreibt über Graffiti #5

queering faciality? about the fag face project.

„Accumulate cum so that your face becomes a volatile liquid surface with no eyes, nose, or mouth; keep the smell from rimming so that your face and ass are irreducible; let the pubic hair gather into different consistencies of stickiness; wipe the shit left on your fingers under your hidden, cum-filled eyes like war paint. Transform your face into a hypertrophized state of fag-ness. Let these new excesses dissolve readability. Let your fag face configure with these materials into that which is not identifiable. Once 1000 cocks have cum on my head and 1000 asses have wiped their shit and sweat there, try to tell me what my face is. We accelerate like this—fuck like this—to become faceless. Because a face is never ours.“ – Zach Blas on Version.org, March 15, 2011

The fag face project of Zach Blas / queertechnologies.info was presented through some texts and a 15 minutes video, and during the transmediale this year in berlin and it is currently in competition for funding through rhizome.org. A response:

You want to provide as tools or weapons three kinds of masks: The first mask is the mask that unites homosexuals under what you suspect to be a kind of common mouth formation that supposedly can be unconsciously analyzed by humans. So the person carrying the mask would only be recognized as part of a group that performs a specific oral sex practice, and not identified as an individual. First step. The second step is aimed at providing a training ground for a new faciality, through building a mask that has more extreme dimensions of expression than what humans are capable of performing. The third step then is to evade recognition and facial expression altogether and go into a fog that provides invisibility as a precondition for revolt and queerness.

By setting the camera eye and the human eye in one, you reduce the problem to recognition, and therefore you argue as if without recognition of individual faces there would not be the exclusion of those that are defined as deviant. Where you touch the question of oppression of deviancy, you introduce the fog, as a little trick cloud in which everything is invisible and that makes everything possible.

And, as a basic problem in your project, you cut off the discourse around faciality, that you try to take part in, by putting a mask before the face.

In detail: (mehr…)

the screen generation II

screen generation

“In twenty-first century, whoever controls the screen controls consciousness, information and thought. The screen is a mirror of your mind, get it? If you are passively watching screens, you are getting programed. If you are editing you own screen, you are in control of you mind. George Orwell had it wrong. He was too optimistic. He wrote in 1984 that Big Brother would watch us from screens on the walls of our living rooms or bedrooms. But that is nothing. You could always duck out of sight. The current horror is that Americans voluntarily stick their amoeboid faces toward the screen six or seven hours a day and suck up information that Big Brother is putting there. Here is the key to our future: We can and will control our own screens. We are designing software that will empower you to produce and direct your own mind movies, your own prime-time shows.” Timothy Leary – 1987 Rolling Stone Magazine

Timothy Leary and George Orwell got it wrong, your own screen is your means of production in the market competition. The diffuse spectacle gets produced in an integrated mode (Debord). Work expands into free time (Adorno). A podcast economically is not a primetime show, because it’s tendency is superflous, hobby work. States will soon have to provide a basic income for the superflous people out of work, resulting in the eternalization of the poverty of the precarious proletariate. This is the real meaning of Big Brother, not a policy-maker, but state as a father figure that cares for you. You don’t get fed with information, you get fed with the self-reflection of today’s citizenship, with the ideology of the republic, with the consciousness of the free market. The tendency of this ideology being produced as media products by all, does not automatically question the hegemony of power. By reformulating the analysis of state and power to seemingly concrete entities little “Big Brother” in the sense of central authorities that need to be attacked, the perspective of using the means of production for subverting the mode of production got hurt. In the field of ideology it’s not the people against The Man today, it’s the people against themselves, the praxis of future politics will have to evolve from a process of critique. Participation is an empty phrase, as long as markets and thus the dogma of profitability are used to regulate it.

(just a little follow-up to The Screen Generation, Cult of the Dead Cow TexXxt #412 08/29/2008)