Archiv der Kategorie 'berlin'

Uferweg

Mediaspree, Megaspree, East Side Gallery, Kater Holzig, Möhrchenpark, Living Bauhaus

Nach den Konzepten Wagenburg, Strandbar, Mediaspree und Megaspree, ist die neue Runde der Auseinandersetzung um die Ästhetik der inneren Spree eingeläutet. Falls es jemanden interessiert, ich bin ja Fan des Uferwegs (beispielhaft rudimentär am Verdi-Gebäude umgesetzt), erinnert mich an das Pariser Seine-Ufer.  An den Berges de Seine als ein wirklich nutzbarer öffentlicher Raum modernisiert, als abgetrennte Ebene unterhalb des Verkehrsraums ein ruhiger Ort am Fluß zum gemeinsamen Verweilen, dort finden dann hin und wieder geförderte kostenlose Konzerte statt. Ein riesen Unterschied sowohl zu der Touristenschleuse an der Eastside-Gallery, und dem daneben anliegenden Werbetafelhafen, als auch zu den Uferpfaden die sich durch die Möhrchenparkkiosklandschaft und die Bürogebäude schlängeln sollen. Und die Clubs in Paris sind einfach auf Boote ein Stück den Fluß runter verfrachtet, als Partymeile am Port de la Gare und Port De La Rapée, am Ufer davor eine ausgelassen trashige Stimmung wie an der Revaler Straße, weil ja viele feiern möchten, aber nicht alle den Eintritt zahlen können.

Deutsche Bank Macht Kunst

a quick english translation can be found here
deutsche bank kunsthalle berlin
Berlin konnte sich keine Kunsthalle für Gegenwartskunst leisten, nun macht die Deutsche Bank eine. Und ruft unter dem Motto Macht Kunst dazu auf, Bilder einzuliefern, die alle aufgehängt werden, um 24 Stunden gezeigt zu werden. War es 1848 noch so, dass im Zuge revolutionärer Veränderung die zentrale Kunstinstanz und Institution (der Salon) für alle geöffnet wurde, so existierte bereits ab Mitte des 19. Jahrhunderts eine Krise dieser Institutionen (mit Gegensalons und z.B. dem unabhängigen Pavillon von Courbet auf der Weltausstellung). Erst wurde eine Gleichheit der Zugangsbedingungen unter den Künstlern etabliert (Salon in der Revolution), dann die Gleichheit auf dem Markt ausgetragen (Vielheit der Ausstellungen ab den 1860er Jahren). Danach kam das Jahrhundert der gescheiterten Gegenbewegung (Surrealismus, Dada, Lettrismus, Situationismus, Fluxus, Happening…), mit am Ende einer Altermoderne, die Künstler nur noch als unbezahlte Praktikanten für das Kunstevent braucht und schließlich die Gleichheit und die Marktkonkurrenz auf die Spitze getrieben hat: Im Jahr 2013 läd die Deutsche Bank explizit auch lediglich Kunstbegeisterte ein (der Aufruf richtet sich an diese, und an Künstler, Hobbyfotografen, Studenten…), Leinwände abzuliefern. Allein die Einschränkung auf Leinwände zeigt schon, es ist ein Kunstevent, es geht nicht um die unbezahlten Praktikanten in der Schlange, sondern der Kurator ist hier der Künstler, sozusagen der einzige der wirklich in ein Verhältnis mit der Bank getreten ist. Der Kunstbetrieb eignet sich die Struktur von Streetart an, alle dürfen mitmachen, solange sie einen Platz finden und ihr Werk geeignet ist flach an einer Wand zu hängen. Die Auflösung der wissenschaftlich-kritischen Institutionalisierung, die Hektik der Konkurrenz, das heißt Künstler nicht ernst zu nehmen, sondern mit Hobbyisten zusammen aufzuscheuchen. Die reformierte Kunstinstitution reformiert die Künstleridentität.

Titanic Europa and the Berlin Zoo

Painting on the surface of the spectacle
Bild: Angel Vergara – Feuilleton (Detail)

Europe seems like the Titanic, the course is non-historical and blind, yet someone pretends to steer, we are all dancing, some on the lower deck of Macedonia, and some on the upper deck or the liberal lounge of Berlin. In the middle of an ocean, we cannot see what is behind the iceberg, nor the horizont: revolution is the same fetish as progress, the ship will sink itself, or it will be sunken. We should try to be able to still think en-face of a cuming insurrection or more civil war or more integration. Progress for me is when social modes change towards a reconcilitation of global equality and diversity. Because this only opens the space for what we cannot yet imagine: freedom. I think the autonomy is not in the small community, but in other ways of communication (this means in the art). So this can happen at mass events, or in a painting, in a song or in a book. Today with hyperspace we cannot only talk of situations of “real” life. Also in general there is no real, in the sense of a seperate tangible, life anyways. (*)

In Berlin, the living conditions are mostly hidden, the parts of the city are basically gentries and ghettos, one part full of yuppies (in the original sense, young urban professionals) with kids and the other parts full of jobless chaos. Everyone is more free than in the rest of Germany on the one hand, but in a real marxist sense, double free: free of higher living standard, and free of hard work. So many smart and grown up people work in call centers and try to be artists the same time. Without thematizing this! And this is the big problem, the mass consciousness seems deranged. Here in berlin we have the real spectacle: not coming from the newspapers or anyone externally of our own lifes, but a collective production of images. These years these models of counterculture-industry even get successfull for tourism. If it wasn’t for real, one would have to imagine it, it’s like a zoo run by the animals and every breed of animal thinks the others are a danger to the zoo. Instead of criticising the zoo itself.

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(taken from our conversation about today’s situation in Athens and Berlin)
* These last two sentences are a bit cryptic in their shortness. More on the critique of immediate community and on the conditions of social situations is in this text.

bauhaus, berghain, berlinale, banksy

ein wochenende in berlin

es sind sich manche besucher hier im bauhaus-archiv wirklich nicht zu schade, die politischen inhalte des bauhauses zu verneinen und historisch als vorgeschobenen repressionsgrund der rechten zu verorten. daneben steht dann eine schulklasse und notiert eifrig die schlagworte mit denen ihre beschränkten lehrenden ihnen die bauhaus-ideologie eintrichtern: every color has a form. es klingt nach: die dinge sind so wie sie das bauhaus unterrichtet, das bauhaus ist sinn- und zweckvoll, von dem könnt ihr was lernen. ich bin nicht dort um irgendwem an seinen ideologischen karren zu fahren, und schweige. gerade dass das bauhaus die dinge angenehmer anfassbar und ansehbar machte, darin ihren gebrauchswert betonte, bedeutet dass sie eine weltgestaltung anstrebten, in der wir mit modernsten gestaltungsmitteln, den maschinen, das leben der menschen weniger mühseliger und dafür freudvoller einrichten. bleibt nur zu hoffen, dass die litanei der lehrkörper die schüler ihre blicke auf die originalen unterrichtsmaterialien und die zitate an den wänden schweifen ließ und sie den mist den sie referiert bekamen als das durchschauten was er darstellt.

ich schreibe nicht über das berghain, ich denke manchmal sogar, das bild beim reingehen „fotografieren verboten“, sollte durch ein schild beim hinausgehen „berichten unerwünscht“ ergänzt werden. warum? weil die permantente rede über das berghain ein bild erzeugt, das viel zu statisch ist, das die erwartung an diesen ort so stark geformt hat, dass die einen nur wegen der reklame durch außenstehende (technobuch bei suhrkamp, technofilm im fernsehen, technobericht in springerpresse) und die anderen wegen des elitären scheins (absturzbücher von airen und hegemann, „wie kommt man ins berghain“ guides von deef) hingehen. es trifft also die erwartung von zügellosigkeit bei den einen, auf das gefühl dazu zu gehören bei den anderen. die einen wollen rausch (weit gefasst), die anderen haben ihn schon durchs reingekommen sein. dann genügt sich der besuch schon selbst, die einen finden sich und bestärken durch ihren anblick der gruppe, die auf die reklame angesprochen hat, dass die reklame stimmt. alle befriedigt.
eins noch zu den berichten, manche kommen mit dieser situation nicht klar, verständlich, und holen sich dann den rausch danach, erzählen in ihrer zeitung, ihrem blog, ihrem buch wie toll das alles gewesen sei, als die freiheit so nah schien. der hipsterblogger von iheartberlin jedenfalls, dem blog mit einem inhaltslosen und nur der selbststabilisierung dienenden kommentar zu der neudekoration der panoramabar, fiel auf jeden fall darunter. so war er dann zu sehen wie er selbstzufrieden seinen blick über die so von seinem co-blogger schonungslos kritisch (von wegen! belanglos halt.) beschriebenen werke schweifen ließ, bevor er mit einer immobilienseite auf dem iphone display durch die menge lief und endlich etwas lieferte, was den parties dort so oft fehlt: eine negative identifikationsfigur.

ein ganz schönes spektakel ist diese berlinale, die stars sind da, die filme werden ohne werbung, dafür mit applaus präsentiert. beziehungsweise muss vor dem film nicht mehr für die anderen filme und andere produkte geworben werden, die marke berlinale ist ja eh omnipräsent und hat ihre eigenen nebenprodukte wie die unansehnlichen taschen. und dann gehen die leute mit begeisterung hin. überall ein stimmengewirr, in dem es kaum um den letzten film, sondern hauptsächlich um den nächsten geht. viele sehen sich mehrere filme am tag an, klar ist ja auch nur eine woche. dabei verkommt der film – falls er überhaupt noch verkommen kann – vom eindrucksvollen und unterhaltenden medium zum marathon der kultur. leistungssportler, die sich kultur reinfahren. doch wird sie nicht mal reingelassen, es geht ja darum möglichst viele werke mitzunehmen. die kompetenz beschränkt sich darauf alles zu kennen, alles gesehen zu haben, sich ein bild gemacht zu haben. und selbst wenn es nicht so wäre, armseliger leistungssport wäre es trotzdem, innerhalb von stunden in unterschiedlichste filmwerke einzutauchen und durch die stadt von filmpalast zu filmpalast zu hetzen.

jetzt da alle banksy gut finden, wurde es zeit, dass der große unbekannte mal zeigt, was hinter den werken auf der straße steckt, sich auf die finger und ins atelier sehen zu lassen. was hiermit geschehen ist, der banksy film läuft bei sundance und berlinale und wir kriegen alles zu sehen, außer das gesicht. damit das ganze aber den subversiven anstrich bekommt, den das banksy publikum braucht um ihn auch abseits des grundsätzlich rebellisch codierten gebrauchs von sprühdosen an wänden (was ihn in einer doch recht großen bewegung ziemlich untergehen lassen würde) super zu finden, bekommt der film seine kritische note in der vorführung eines verrückten filmemachers, der im schnellspurt auch eine streetart und popart karriere startet, nur ohne selbst das ganze durch harte arbeit verdient zu haben. die szene ließ ihn ja nur mitmachen, weil sie dachten, dass er für sie arbeitet und eine doku macht, dabei filmte er nur aus wahn. das erworbene szenewissen um die subversiven styles und die starqualitäten der hervortretenden künstler, ermöglichte ihm nach dem scheitern als filmemacher doch noch den kommerziellen erfolg als bildkünstler. die moral, von der banksy behauptet, dass es sie hier nicht gebe, ist dann doch noch die, dass die masse alles toll finden, was diesen ironisch subversiven touch hat, der blick hinter die kulissen aber offenbart, wem als kenner zu folgen sei, banksy mit seinen „politischeren“ karikaturen und shepard fairy mit seiner „theoretischer“ untermauerten strategie. wie so viele produkte über streetart (etwa das legenden zur straße buch), musste dieses gemacht werden um das konzept streetart abzuschließen, theoretisch, moralisch, politisch. dieser prozess ist trotzdem zu bedauern. in dem film sagt banksy, dass er früher jedem empfohlen habe kunst zu machen, seit er auf den filmemacher traf, dies aber nicht mehr so oft tue. „kunst ist schön, macht aber viel arbeit“, außer man ist verrückt, soll also der gipfel der erkenntnis, abseits des es-gibt-keinen-witz, es-gibt-keine-moral vernebelns im film, aus den ersten jahrzehnten der streetart sein?

die entzauberung der szenen darf nicht den feuilletons überlassen werden, die kommodifizierung und vermassung der subkulturen muss aus ihnen selbst besehen und gestört/dirigiert werden. ist ein fortschritt erreicht, wie die akzeptanz von perversion in form des berghains, von progressiver gestaltung in form des bauhauses, von illegaler öffentlicher kunst in form von banksy, erst dann gilt es diese formen zu stabilisieren und auszuweiten, denn wie schon die gewählten worte (pervers, illegal, progressiv) andeuten, sind die geformten ansprüche längst nicht eingelöst, ist die reale schranke, die die schranke im kopf bedingt, noch nicht beseitigt. erst durch die überwindung der realen grenzen wird den leuten, das was schon als kulturware genießbar ist, auch zugänglich.

samstagmorgen,


konfetti und fußbodenschleim des besetzten hauses am schuh
und jemand schlägt wem ins gesicht
drei generationen an lovesongs nur um geschmacklos zu sein
im falschen zimmer die falschen gesichter
die cocktails schneller hinaus als ein abendessen je gekonnt
ich kann mich jetzt schon riechen
ich kotze vor die fabriktore der welt
und die leute auf dem weg zum job
umfangen mich sanft und geleiten mich
durchs morgenrot nach hause

bar25

Bar25 (1)
Atmosphäre wie in Afrika oder der Karibik. Wer Reggae mag, ist hier richtig, genau wie Volleyball- und Basketballspieler

verwirrung stiftet nicht nur die bz (hint: bar25 orientiert sich an ibiza, nicht an karibik…) sondern auch der „grüne“ bürgermeister von kreuzberg-friedrichshain. denn der fordert in oben verlinktem artikel dass die bar25 alle auf ihr grundstück lassen müsse (wg bürgerentscheid und so). also freien eintritt zu den parties und das restaurant dann am besten auch gleich komplett kostenlos? ich hatte noch nicht so das bedürfnis da abseits der parties hinzugehen, aber soweit ich weiß latscht man da einfach rein und setzt sich ans ufer wenn keine veranstaltung ist. ganz im gegensatz zum anderen spreeufer, wo mich mal ein nackter mann den ich beim scheißen überrumpelt hatte (im zuge einer derive-session zur erkundung des spreeufer-mythos) von seinem grundstück jagte. naja ist ja eh gegessen, denn die neueren infos sprechen eher davon dass die bar25 nächstes jahr den techno reduzieren wird (sagt zumindest szenechronist rapp im aktuellen spiegel), dann kann ja bürgermeisterchen zum fein essen dort hingehen und die menschen „unabhängig von ihrer Herkunft, ihrer Religion, ihrer sozialen Stellung“ können daneben am ufer hocken und zuschauen, gibt dort ja wenigstens keine illegale kameraüberwachung wie an den o2-tafeln (ey grüner bürgermeister, mach da doch mal was dagegen! scheiß öffentlicher raum, da hab ich doch gar keine lust am ufer zu hocken, beleuchtet von einer werbung die größer ist als ne hartz4 wohnung).

achso was ich eigentlich noch zu schreiben hatte: schade um die technobar, es war echt schön dort.

piraterie

urban vivantes piraten
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megaspree

megaspree bachstelzen
In Zeiten von Twitter-Aufmerksamkeitsspannen am Besten das Resümee an den Anfang:
#megaspree #gentrifizierung #mediaspree #bar25 #bachstelzen #ms-versenken Protestspektakel Megaspree gegen Mediaspree und andere Unanständigkeiten vereint vielfältige Anliegen. Vor Ort gesehen: Erhalt des alternativen Kulturbetriebes (Bar25), scheinbar radikales gegen Mietsteigerung, Privatisierung und „Verdrängung“ (Gruppe Soziale Kämpfe), Appelle an Wowereit (MS versenken), Skandalisierung der Nichtumsetzung des Bürgerentscheids (Bachstelzen). Fehlende Reflektion der eigenen Rolle läd zur Mob-Bildung bei den Konsumenten des veredelten Hippietums ein.

Hier noch in gebotener Ausführlichkeit und trotzdem recht knapp Eindrücke und Gedanken zu Megaspree:
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squat tempelhof? fail.

squat tempelhof cops

In Berlin, some thousand people gathered to squat the shut down innercity airport Tempelhof last saturday, 20th of june 2009. The event was understood as a major action against the gentrification (a political term used to denounce the process of refurbishment of houses and displacement of poorer people – through the raising rents – from the inner city districts) of the area. Local government plans to establish a park and some upper class houses, together with some kind of new media district.

It was prepared in a way that different kinds of participation would be possible: going in with force (opening the fence), going in when force has been used by others, or only diverting the security forces.

During the day people were walking around the airport, people with backpacks were checked, police was everywhere at the fence. Clowns were arrested for diverting cops and going towards barriers, some people were arrested for throwing flower seeds over the fence. Some black block people tried to tear down the fence with ropes and grapnels. Bystanders didn‘t divert the cops, so the black block were hindered from action immediately as cops showed up. First failed attempt.

In another area one person on bike was catched by a plain clothes cop (allegedly during an attempt to cut a hole). As the person lay on the floor black block persons ran to the situation and the cop showed his pistol (with opening towards ground).

Later the day there were two big manifestations announced. The crowd was to split up and make the attempt to go in. The split up was failing due to coordination flaws. In the southern gathering point 2 of the 3 colours to follow were not visible. So everybody went in one mass. Police lines were broken through by just running through them. Some people from the south mass went to the fence to open it. The big mass stayed with the music on the street and didn‘t support them. Second failed attempt.

Now street parties were everywhere (a bit away from the fence) and black block gathered for a riot on the northern street outside of the airfield. Nothing more happened, police had the whole situation under control and no one got near the fence.

The local government couldn‘t just open the field, since the ownership is still split, so reformist appeals towards them were irrelevant. The interesting factor for the activists would have been if the local people could be mobilized against the fence that stands for government control of the space. The symbolic content of this action should have been to intervene in the decision making process about one of the biggest inner city open areas in europe. So the constant talking about how hard the police acted and the scandalization of the fact that the police showed a gun to the black block just diverts from the fact that this mobilization failed. It failed because the participants announced they were right with their demands and that they have the legal right to participate in the decision making process, and now feel being treated in an injust way. But this right would in any ways be something that is not existing, because it is only existing in the way of plebiscites that are not officially binding for the local government. Tearing down the fence would have been nothing else than an symbolic act of direct democracy in the normality of capitalist city development.

squat tempelhof cop spraycan pincer

überdose

überdose ueberdose graffiti berlin RIP offline

oh nein, erst geht der kapitalismus kaputt (nicht wirklich) und jetzt auch noch überdose.de (wirklich?!). ich hoffe es ist nur eine pause. edit: das wird schon wieder…

berliner straße ausstellung

Noch bis 15. November ist die Berliner Straße in Berlin zu sehen, dann zieht sie weiter nach New York, London und Warschau. Ein Besuch ist sehr zu empfehlen, auch wenn der Eintrittpreis von 5€ (ermäßigt 3€) nicht gerade im Sinne der öffentlichkeitsuchenden Streetart ist.

ich habs ja gesagt(*) ;) . aber die bilder von nomad und daniel tagno gefallen mir gut. oh und mymo auch, schöne sachen. xoousw wird auch nicht besser, wenn man sein zeug von der straße in eine galerie packt… alex flach und anton unai sind berlin style, da werden sich die leute in den weiteren tourorten kostlich beeumeln können.

(*)und dann kostet graffiti eintritt, sieht aus wie design (vgl michael faldbakken every action turns into design cocka hola company s. 420), hat nichts mehr mit unitärem urbanismus, ner stadtgestaltung von unten oder einfach anarchischer straßenkultur zu tun…

rik! und der stickeraward 2008 in der freien internationalen tankstelle in prenzlauer berg

rik reinking sticker award 2008 freie internationale tankstelle FIT prenzlauer berg
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freiräume?

linienstraße 206 demo autonome freiräume
bild von „berlin bleibt dreckig!“ unter cc-by-sa lizenz

eine demo (indy-artikel) mit ein paar hundert leuten zieht durch die straßen, der frontblock* gröhlt in der kastanienallee „yuppies töten ist kein mord“ und leute am lautsprecherwagen dann in der brunnenstraße “ [investorenname] aus der traum, bald liegst du im kofferraum“, auf den fähnchen steht „investoren raus“.
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Opening night of the O2 World Berlin

o2 world berlin eröffnung
Picture by Björn Kiezmann, Creative Commons by-nc Licence

Report on some derive and direct research in the protest against the opening of the O2 World in Berlin on Wednesday, the 10th of September 2008
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Eröffnung O2 World Berlin

english version available here

o2 world berlin eröffnung
Bild von Björn Kiezmann, Creative Commons by-nc Lizenz

Bericht über ein bisschen Umherschweifen und direkte Untersuchung im Protest gegen die Eröffnung der O2 Arena am Mittwoch den 10. September 2008.
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bridge

antifa

illegale 2008

scherenschnitt
illegal art exhibition in the sanatorium of beelitz (near berlin).

more more

salon

miss hecker

cassis

fuck your crew

pirates

„broken window theory“ in der Praxis

riot berlin

Die Leute denken immer dass in meinem Kiez lauter Gangster rumlaufen die Kopfschüsse verteilen. Das stimmt auch, allerdings sind die Gangster um die 10 Jahre alt und werfen nur Schneebälle (diesen Winter hat sie das Wetter aber eher im Stich gelassen). Um in der Hermannstraße keinen Schneeball an den Kopf zu bekommen habe ich einen Trick, ich begrüße die Gang und frage wie es so läuft. Da fällt der eine dem anderen in den Wurfarm und erklärt ihm: „Das ist unser Freund.“. Weniger Glück hatte der Polizist der vor 10 Jahren hier an der Ecke durch seine Schussweste hindurch mit panzerbrechender Munition erschossen wurde, in besagtem Fall waren das zwar echte Gangster – Bankräuber und keine der Straßengangs – aber trotzdem erzählt man sich die Story von hier bis zur Donaustraße mit recht unverhohlenem Stolz. Denn sie befördert den Mythos vom Gangsterkiez…

In meinem Haus leben auch ein paar Gangster, allerdings sind sie auch noch recht klein und außerdem nicht sehr kriminell. Ich habe einen kleinen Versuch zur sogenannten broken-window-theory gestartet, die besagt dass in einer Gegend – in diesem Fall unser Treppenhaus – die Kriminalitätsrate ansteigt sobald die ersten Scheiben kaputt gehen und die ersten Schmierereien auftauchen. Um den Versuch zu beginnen habe ich mit einem Filzstift ein Wort im ersten Stock hinterlassen. Innerhalb der letzten zwei Monate wurde daraufhin unser vorher fast sauberes Treppenhaus von oben bis unten bekritzelt, sogar eine Scheibe ist zerbrochen (tata!). Es haben sich drei konkurrierende Crews gebildet. Das lässt nun verschiedene Möglichkeiten offen, entweder die Crews bestehen jeweils nur aus einem Gangster, oder aber die achtjährigen aus dem dritten Stock mischen auch mit, oder die zehnjährigen aus dem Hinterhaus taggen jetzt auch im Vorderhaus. Die broken-window-theory funktioniert jedenfalls.

(Das Bild oben stammt übrigends aus einer ganz anderen Ecke, die U-Bahnplattform am Alexanderplatz. Ein paar Hooligans hatten sich mit Punks angelegt und waren dann in eine Schlägerei mit Cops geraten)

hier dann doch noch der hintergrund nachgereicht: 1982 schrieben G.I.Kelling und J.Q. Wilson den text „zerbrochene fenster“. darin heißt es „da ist ein verlassenes gebäude, unkraut wächst, jemand schlägt ein fenster ein, die erwachsenen beschimpfen die kinder nicht mehr, wenn sie lärm machen, und die kinder, so in ihrer abenteuerlust ermutigt, werden rebellisch. familien ziehen aus, der abfall wächst in die höhe, menschen trinken vor den läden, ein betrunkener bricht auf dem gehsteig zusammen und kann dort bleiben bis er sich erholt, bettler ziehen herum und belästigen passanten, und wo heute bettler sind, gibt es morgen diebe und dann mörder.“
so ein bisschen das gegenteil der gentrification-geschichte, bei der in den gebäuden mit den zerbrochenen scheiben zwischennutzungspioniere, dann kneipen, gallerien, boutiquen, bioläden und dann bald großkonzerne einziehen, während die armen verschwinden. in dieser vorstellung werden sie wenigstens nicht von den rebellischen kindern zu mördern gemacht…

broken windows theory gentrification broken windows theorie

noch ein paar worte zum winter in berlin

winter in berlin

Letzten Samstag haben sich 480 Leute wegen Glatteis verletzt, teilt dieses Dauerfernsehen in der U-Bahn mit. 482 muss ich korrigieren, denn ich habe mir in der Zionskirchstraße den Finger verstaucht als ich einen Böller zünden wollte. Wäre fast auf einen gefrorenen Hundehaufen gefallen. Man sollte sich halt nicht auf zu viele Sachen gleichzeitig konzentrieren, über Prenzlauerberg lästern, zur Kastanienallee schlittern, in die Kneipen gucken und lachen, Böller zünden und den Hundehaufen ausweichen.
Kurz vielleicht als Einschub eine Erklärung meiner Skepsis gegenüber Prenzlauerberg. Ich war vor Monaten mal dort, bei einer Art Poesieshow, bei der Leute die sich als die Nachfolger der Beat-Poeten sehen, ohne allerdings deren Lebensstil zu pflegen, (und deren poetische Begabung noch zur Diskussion stände) verschiedene Gedichte und Texte vortrugen. Da wurde dann über Busfahrer gelästert und über Touristen, zweiteres quasi eine Publikumsbeschimpfung, und über Neu-Berliner, eine Beschimpfung der anderen Publikumshälfte, sowie über verschiedene Stadtteile. Besonders schlecht kam der Postleitzahlbereich 12049 weg. Dort würden die Leute mehr grunzen als sprechen und alle wären dumme und verwahrloste Gangster. Da uns mit dieser Beschimpfung unseres Postleitzahlenbereichs durch die Prenzlauerberger Poeten schwer enttäuschten, fasste ich mit meinen Mitbewohnern den Entschluss nur noch höchstens alle zwei Monate dorthin zu fahren.
Ich bin also Nummer 481 der Verletzen dieser Nacht, mir tut den ganzen Abend der Finger weh. Mein Begleiter fällt in der Köpenicker Straße, in der Nähe der Köpi, einer der letzten großen Immobilien der Anarchistischen Wohnungsgesellschaft, auf den Bauch und zehn Meter weiter aufs Knie. Nummer 482.
Wir gehen in den Club Maria, Typen aus Brandenburg versuchen zu Drumm’n’Bass zu tanzen. Meinetwegen, sieht aber eher scheiße aus. Mein anderer Begleiter kriegt irgendwie einen philosophischen Film und fängt an davon zu schwadronieren wie komisch es denn sei dass diese ganzen Leute hier wie die Hippies fummeln, tanzen, die Zähne zeigen, Drogen einschmeißen und dann ab Montag wieder ganz normal zur Uni oder Arbeit gehen. Ich erklär ihm dass das mit den Hippies eigentlich schon immer so war. Mediengestalter in Skaterklamotten tanzen meine Begleiterin an, das sieht auch scheiße aus, und so betrunken wie die sind merken sie nicht mal wie sehr das nervt. Junge Dreadlockträger wollen mir alle möglichen Drogen verkaufen. Ich lehne dankend ab, hätte aber mal nach irgendwas zur Betäubung meines Fingers fragen sollen, der tut seit der Verstauchung irre weh. Jemand greift mir von hinten vorne an den Bauch, das finde ich eigentlich ganz nett wenn die Leute dann auch wieder loslassen. Passiert dieses Mal zum Glück auch. Das Problem wenn man in Berlin einen Kapuzenpullover trägt ist dass einen irgendwelche Rastafaris ohne Berührungsängste einfach mal anmachen ohne vorher zu checken ob man ihrer Zielgruppe (Frau) entspricht. Ich hab aber im Gegensatz zu Frauen wenigstens den Vorteil dass die Rastamänner sich erschrocken aus dem Staub machen wenn ich mich umdrehe. Ich will Sommer, weniger blöde Anmachen, und dass die Köpi bleibt.

kontrollbeflissenheit

u8 hermannplatz fahrscheinkontrolle foto von gak auf flickr, cc-lizenz

U8 Hermannplatz.
Er: Fahrschein bitte.
Zeigt mir seinen Dienstausweis
Ich: Den Betriebsausweis bitte auch.
Er: Aha, ein Student? Hol schon mal den Fahrschein raus.
Ich fange an zu nerven: Ich möchte erst überprüfen ob sie mich kontrollieren dürfen.
Er kramt ewig, verliert die Übersicht, hinter ihm gehen Leute unkontrolliert zum Ausgang, wir fahren in die Station ein. Er zeigt seinen Betriebsausweis, ich kontrolliere ihn, zeige mein Semesterticket.
Er ist sauer und kontrolliert noch ein paar Leute.
Dann kommt er zurück und fragt: Na, hat dich das befriedigt?
Ich: Ich hab das Recht nach dem Betriebsausweis zu fragen.
Er: Hat dich also befriedigt.
Ich: Befriedigt dich die Fahrscheinkontrolle?
Er: Hat dich also befriedigt.
Ich kenn das, wenn die Leute hier nicht mehr auf deine Antworten eingehen, wollen sie dir Böses.
Ich klugscheißer: Du kontrollierst und kriegst Kohle dafür, ich kontrolliere und kriege nichts dafür. Befriedigt wird hier niemand.
Er fängt an zu pöbeln, ich fang an zu pöbeln. Zwischen uns ist zum Glück eine Trennscheibe und ein Fahrgast, sonst hätte ich schon n bisschen Angst vor ihm bekommen.
Zwischenruf Fahrgast: Lasst einfach alles raus!
Ich steige aus, er auch. Er verabschiedet sich von seinem Mitkontrolleur. Läuft neben mir her, schlägt mit der Faust in seine Handfläche und sagt immer wieder vor sich her: Man sieht sich immer zweimal im Leben. Das mit den Wiederholungen kenn ich schon, denke kurz daran die Notruftaste an diesen SOS-Säulen zu drücken und dafür zu sorgen dass er wegen dieser bescheuerten Drohung seinen Job verliert, aber bitte, wie Scheiße wäre das denn? Also lass ich es bleiben und geh nach Hause um ein bisschen mit meinen Mitbewohnern über die BVG und Kontrolleure abzulästern. Kochen uns was von Aldi und lästern über das Wetter. Der Winter dauert schon viel zu lange, ich will wieder Sommer haben und Fahrrad fahren.

backjumps vortrag 31.07.2007

meine notizen beim heutigen vortrag im rahmen von backjumps, das meiste sind einfach zitate der vortragenden die ich hier in einen fliesstext einbette. eine etwas abgehackte verdichtung auf die gebrachten thesen, und die bildbeispiele fehlen natürlich.

I. streetart – reflexionen nach dem hype

die beiden kulturwissenschaftlerinnen und streetart-fans (wie sie sich selbst bezeichneten) christian schmidt und katrin klitzke haben vorhin im bethanien einen vortrag mit dem thema “streetart – reflexionen nach dem hype” gehalten. gleichzeitig war dies eine buchankündigung für ihr im dezember erscheinendes buch “streetart – legenden zur strasse”.

erstmal grenzten sie den kontext ein, der da wäre: im globalen kapitalismus befinden sich kulturstandorte in einer konkurrenz zueinander, es gibt dabei zentren und periphere bereiche. an diesen kulturstandorten findet eine musealisierung und theatralisierung statt, ersteres bedeutet dass die menschen zu statisten bzw. besuchern werden und zweiteres dass die szenerie der öffentlichkeit als statische bühne inszeniert wird. streetart wird in diesem kontext als lokale reaktion gesehen, die sich in raumaneignung und umnutzung, dem artikulieren von inhalten und der etablierung alternativer kommunikation äussert.

hier wurden wieder unterscheidungen getroffen, so gebe es einerseits künstlerinnen wie swoon und nomad die ein prinzip der egalitären partizipation ohne direkte politische aussagen verfolgten und im unterschied dazu leute wie ZEVS, die einen konkreten politischen ausdruck formulierten. ziel bei der in streetart gängigen mehrdeutigkeit sei die provokation von nachdenken und teilhabe.

probleme in diesem zusammenhang sahen die vortragenden in der lokalen beschränktheit und dem popkulturellen mythos von “der strasse”, den öffentlichen raum den sich im sinne von “reclaim the streets” angeeignet werden will gebe es in dem sinne garnicht, denn öffentlicher raum sei stehts ein bereich gewesen in dem die menschen normierung und diskriminierung ausgesetzt waren.

potential hingegen wurde von ihnen in der kommunikation eines “raumes für vorstellungen des völlig anderen” gesehen. doch da dies auch für werbung attraktiv sei würde hier schnell ein potentieller mehrwert von streetart abgegriffen und mit den innovativen formen die immunisierung gegen werbung überlistet.

und weiter ging es mit gentrifizierung: die streetart-aktivisten schüfen eine musealisierung von unten, eine unkommerziell betriebene aufwertung des stadtbildes, und seien damit pioniere der gentrifizierung. daraus entstünde dann handfestes ökonomisches kapital. hier kommt das splasher kollektiv aus new york ins spiel, diese kritisieren die rolle der kunst-aktivisten in der gentrifizierung und im spektakel.

als ein spezielles phänomen von streetart sei schliesslich auch noch zu beobachten, dass wohlhabendere künstler aus den zentren es sich leisten können herumzureisen und ihre werke zu verbreiten, dies verstärke zusätzlich den effekt der unsichtbaren peripherie.

die aufgezeigten widersprüche seien kein spezifisches problem von streetart, sondern treten seit jeher in subkulturellen praxen auf. der ausweg: mutig sein, ausbrechen, ausweitung der kampfzone im krieg der zeichen.

und: the future is unwritten.

II. disko

hier noch eine zusammenfassung der diskussion nach dem vortrag: christian warf die frage auf ob die theorie der gentrifizierung überhaupt auf die hiesigen metropolen übertragbar sei (das konzept stammt aus den USA). zumindest am boxi und in mitte sähe es aber ganz danach aus.

zum thema alternative kommunikation wurde nachgehakt, als antwort kam: diese würde auf verschiedenen ebenen ablaufen, beispielsweise der rein symbolischen, sowie der rezeption durch passanten, durch nachrichten wie bei lindas ex oder szeneintern wie tagging, crossen und nebeneinanderkleben.

zu den splashern kam die anmerkung aus dem publikum dass diese ihre kritik auch an die linke szene richte, die realen widerstand durch visuellen/virtuellen/künstlerischen ersetze. auch zum thema: in berlin gebe es eine gruppe von leuten die graffitis weiss überstreicht, mit einer ähnlichen intention wie die ny splasher.

eine kurze prägnanten kritik am stil vieler streetart-werke wurde formuliert: süsse menschen und blümchen zu malen sei doch kunstverständnis des 16. jahrhunderts. chapeau!

kurz wurde sich der frage gewidmet ob es auf dörfern streetart gebe, die einen meinten nein, andere brachten positive beispiele und ein berliner streetartist stellten von hinten die these auf dass es einfach teil einer jugendlichen sozialisation werden würde eine streetartphase zu haben. ich würde dazu sagen: definitiv gibt es in vielen dörfern einen kreativen prozess aus öffentlichen flächen, meist tags und sticker. die art von leuten die an streetart hauptsächlich teilnehmen ziehen aber meist eher in städte und metropolen und sind dort in ihrem umfeld aktiv und entwickeln ihre konzepte weiter.

vom leiter des kunstraums kamen noch anmerkungen zum einfluss des etablierten kunstmarktes und des mainstreams, letzterer würde sich in form entrüsteter journalisten immer dann bei ihm melden wenn die künstlerischen interventionen radikaler werden, beispielsweise in der zentrierten aktion von streetart und graffiti aktivisten im tunnel am alexanderplatz.

zur unterscheidung streetart/graffiti kam von christian dass es ja um aneignung an sich gehe und um die schaffung verstörender situationen, egal ob es jetzt kunst heisse oder nicht, wichtig sei die kommunikationsguerilla. im sinne von: nicht stadtteilarbeit, sondern riot. ausserdem sei eine abgrenzung zwischen graffiti und streetart eh nur in tendenzen möglich, bzw. unmöglich.

ein mensch bemängelte noch dass im rahmen von backjumps die besucher der überdose vernissage sich von streifenpolizisten in die innenräume hatten scheuchen lassen, wohingegen in wiesbaden die writerszene mal einen riot vom zaun gebrochen habe als die dortige hall of fame geschlossen wurde. der vergleich hinkte so ein bisschen.

III so what?

props an die beiden kulturwissenschaftlers für die zusammenfassung des aktuellen standes von streetart und den damit verbundenen themen inhalt-form-subversion-rekupation, angereichert mit beispielen aus der szene. viele der aufgegriffenen themen würde ich gerne mal mit leuten die kram auf den strassen machen weiter belabern, um an die thesen anzuknüpfen. schliesslich ging es sehr viel um die rolle der einzelnen aktiven und um die wirkung ihrer werke. ich sehe die möglichkeit die formen weiter zu reflektieren und sich auszutauschen.

“künstler lieben es zu hassen”

enttäuschend war der vortrag zu kunst-aktivismus in israel/palästina im rahmen von backjumps. der vortragende aktivist von anarchists against the wall nutzte die gelegenheit eher um ausführlich seine politischen einschätzungen bzgl. der trennmauer darzulegen. im eigentlichen kunst-bezogenen teil des vortrages drückte er sein missfallen für die arbeiten von banksy aus, da dieser sie nicht im dialog mit der bevölkerung angebracht habe, zu JRs face2face projekt urteilte er dass diese einen europäischen blickwinkel unterstützen, nämlich angeblich den konflikt zu verharmlosen indem die menschen auf beiden seiten als gleich betrachtet werden. seiner meinung nach müsse kunst auf der mauer einen politischen kampf unterstützen (”there should be a political statement to support a struggle”), wie das aussieht zeigte sich dann an den computergrafiken die er als positive beispiele politischer kunst anführte, eine palästinenserflagge und ein pali-tuch, gezeichnet in einem computerspiel in dem man auf der trennmauer graffitis üben kann. eine andere aktion seiner eigenen gruppe bewegte sich thematisch schon eher nah an JR’s arbeit, und zwar wurden auf beiden seiten der mauer projektoren installiert, die eine videoaufnahme der anderen seite zeigten, die mauer also “transparent” machten.

sein vortrag war insgesamt ein politisches statement für die anliegen der palästinensischen aktivisten, kunstbeiträge mit einer vermittelnden position (das genannte beispiel JR) reduzierte er auf die aussage “dieses ‘die leute sind gleich bla-bla’” (übersetzt). als kommentar zu dieser arbeit kam von ihm: “it’s ok to do something for peace”, es sei also schon in ordnung etwas für frieden zu tun, immerhin. insgesamt war sein vortrag leider von zynismus und verallgemeinerten vorwürfe an die israelis geprägt. beispiele hierfür waren israelische statistiken, die er zwar kurz anriss, um sie dann abfällig beiseite zu wischen. auch baute er eine art beweis anhand von 2 werken und 3 bildern auf der mauer auf, dass es eine tradition in israelischer kunst gäbe bei panoramas keine palästinensischen menschen darzustellen. den vorwurf der ignoranz gegenüber palästinensern unterstütze er mit photos von den 2 seiten der mauer an einem highway, wo auf der israelischen seite eine begrünte erdaufschüttung die höhe der mauer kaschiert, auf der palästinensischen seite hingegen die mauer bis zum boden freiliegt…

andere kunstprojekte wie ein workshop von eric drooker mit lokalen jugendlichen hat er leider nur kurz erwähnt, der fokus lag auf aktionen aus seinem eigenen umfeld. diese fixierung war schade, ich hätte eine breitere betrachtung des themas interessant gefunden. seinem titel “die trennungsmauer in palästina: künstler lieben es zu hassen” wurde der vortragende im engeren sinne jedoch gerecht, denn er als ein hassender künstler stellte sein projekt vor.