Archiv der Kategorie 'de'

megaspree

megaspree bachstelzen
In Zeiten von Twitter-Aufmerksamkeitsspannen am Besten das Resümee an den Anfang:
#megaspree #gentrifizierung #mediaspree #bar25 #bachstelzen #ms-versenken Protestspektakel Megaspree gegen Mediaspree und andere Unanständigkeiten vereint vielfältige Anliegen. Vor Ort gesehen: Erhalt des alternativen Kulturbetriebes (Bar25), scheinbar radikales gegen Mietsteigerung, Privatisierung und „Verdrängung“ (Gruppe Soziale Kämpfe), Appelle an Wowereit (MS versenken), Skandalisierung der Nichtumsetzung des Bürgerentscheids (Bachstelzen). Fehlende Reflektion der eigenen Rolle läd zur Mob-Bildung bei den Konsumenten des veredelten Hippietums ein.

Hier noch in gebotener Ausführlichkeit und trotzdem recht knapp Eindrücke und Gedanken zu Megaspree:
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#griots – andreas alexandros grigoropoulos

koukopoulos: earlier, the weapon-replica shop in Omonoia sq. was looted. There was a guy going around with a light saber, really.

aus dem twitter-realtime-feed der ausschreitungen in griechenland nach dem mord an andreas alexandros grigoropoulos: #griots. auch als flickr-tag.

from the twitter-realtime-feed of the greek riots after the murder of andreas alexandros grigoropoulos: #griots. also as a flickr-tag.

überdose

überdose ueberdose graffiti berlin RIP offline

oh nein, erst geht der kapitalismus kaputt (nicht wirklich) und jetzt auch noch überdose.de (wirklich?!). ich hoffe es ist nur eine pause. edit: das wird schon wieder…

berliner straße ausstellung

Noch bis 15. November ist die Berliner Straße in Berlin zu sehen, dann zieht sie weiter nach New York, London und Warschau. Ein Besuch ist sehr zu empfehlen, auch wenn der Eintrittpreis von 5€ (ermäßigt 3€) nicht gerade im Sinne der öffentlichkeitsuchenden Streetart ist.

ich habs ja gesagt(*) ;) . aber die bilder von nomad und daniel tagno gefallen mir gut. oh und mymo auch, schöne sachen. xoousw wird auch nicht besser, wenn man sein zeug von der straße in eine galerie packt… alex flach und anton unai sind berlin style, da werden sich die leute in den weiteren tourorten kostlich beeumeln können.

(*)und dann kostet graffiti eintritt, sieht aus wie design (vgl michael faldbakken every action turns into design cocka hola company s. 420), hat nichts mehr mit unitärem urbanismus, ner stadtgestaltung von unten oder einfach anarchischer straßenkultur zu tun…

rik! und der stickeraward 2008 in der freien internationalen tankstelle in prenzlauer berg

rik reinking sticker award 2008 freie internationale tankstelle FIT prenzlauer berg
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freiräume?

linienstraße 206 demo autonome freiräume
bild von „berlin bleibt dreckig!“ unter cc-by-sa lizenz

eine demo (indy-artikel) mit ein paar hundert leuten zieht durch die straßen, der frontblock* gröhlt in der kastanienallee „yuppies töten ist kein mord“ und leute am lautsprecherwagen dann in der brunnenstraße “ [investorenname] aus der traum, bald liegst du im kofferraum“, auf den fähnchen steht „investoren raus“.
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Eröffnung O2 World Berlin

english version available here

o2 world berlin eröffnung
Bild von Björn Kiezmann, Creative Commons by-nc Lizenz

Bericht über ein bisschen Umherschweifen und direkte Untersuchung im Protest gegen die Eröffnung der O2 Arena am Mittwoch den 10. September 2008.
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liebe

zweierbeziehung polyamory offene beziehung beziehungsformen liebe

Die Freiheit zu tun was ich will ist die einzige Freiheit. Mit solchen Ansprüchen im Hinterkopf haben die utopischen Träumer um 1968 sich neue Anti-Konzepte für das partnerschaftliche Zusammenleben gestrickt. Und irgendwie glaube ich, dass so manche heutige Liebesprobleme in eben diesen Konzepten wurzeln.

Es war einmal so, da wurdest du als Junge oder als Mädchen geboren, wenn du Mädchen warst wurdest du schon sehr jung einem Mann zugeteilt. Eine riesen Scheiße, mit Liebe hatte das nichts zu tun. Mit der Fortentwicklung unserer Gesellschaft wurde das dann anders, die Menschen pflegten religiöse Formen um ihre Liebe und Lust zu regeln. Jetzt wurde dann irgendwann halt geheiratet, Mann und Frau, und dann durfte ins Bett gegangen werden und für den Rest des Lebens treu und ausschließlich zum Partner gehalten werden. Dann kam ganz lange nichts, und dann kamen die revolutionären Linken und dachten sich neue Konzepte aus, wie die Anarchisten in Spanien, die revolutionäre Ehen schlossen. Das revolutionäre daran war, dass die Ehe jederzeit von beiden Seiten aufgekündigt werden konnte.

Die religiösen Formen der Partnerschaft zu zerstören traten dann besagte Utopisten seit den 60er Jahren an. Das Konzept dafür waren die Aufhebung von Verbindlichkeit und Bindung per se. Jedenfalls in der Theorie: Jeder mit jedem, denn es ist ja genug für alle da. Wer Vertrauen und ausschließliche Zärtlichkeit wollte, musste sich halt aus diesem Zirkus ausklinken. Die heutigen Linksradikalen haben auch ihre Konzepte für Beziehung parat. Aus der sie umtreibenden Einschränkung nicht bedenkenlos mit jedem Sex haben zu können, stricken sie immer noch Ideen wie die offene Beziehung und die Polyamory.

Zum ersten Konzept, der offenen Beziehung. Leute, die so etwas leben, haben eine verbindliche Zweierbeziehung in die sie immer wieder zurückkehren, und gestehen sich aber das Recht zu, auch mit anderen Leuten Lust und Liebe auszuleben. Wobei es wahrscheinlich mehr um Verlieben und Lust, als um Liebe geht. Klingt ja erst einmal nach einem geschickten Konstrukt, um möglicher Frustration in der bürgerlichen Zweierkiste aus dem Weg zu gehen. Wenn man gerade keine Lust aufeinander hat, befriedigt man sich halt anderswo. In der konservativen Ehe läuft so etwas ja über Pornographie oder Prostution. Und das hat tatsächlich einen einfachen Grund, denn hier ist die Ersatzbefriedigung virtuell oder eben per Geschäft klar geregelt. In einer offenen Beziehung steht der vagabundierende Partner jedoch einem anderen Menschen gegenüber, mit den gleichen Bedürfnissen von Lust bis im Falle des Falles auch Verbindlichkeit und Ausschließlichkeit. Die andere Person wird allerdings in der Hierarchie des Beziehungssystems untergeordnet, geht ja auch nicht anders, da danach wieder in den Schoß der Zweierbeziehung zurückgekehrt wird. Für die Außenstehende Person gibt es halt kurzfristige Lustbefriedigung, und das war’s dann. Dann bleibt nur zu hoffen, dass sich mit diesem Zweck abgefunden werden kann, weitergehende Bedürfnisse müssen zurückgesteckt werden. Von der bürgerlichen Form der Äffäre, also der unoffenen außerpartnerschaftlichen Befriedigung, unterscheidet sich der Ansatz nur dadurch, dass der Regelbruch keiner mehr ist, da eingeplant.

Polyamory will dagegen die Komplexität. Diese Praxis von Beziehungsführung will ein Netz von Partnern anlegen, alle wissen voneinander und vertrauen sich deswegen. Sie gestehen dem Einzelnen die Freiheit zu, ihre Liebe zu verteilen. Verbindlichkeit soll durch Offenheit und Planung erreicht werden. Aber schon mal versucht Liebe zu teilen? Das Problem das sich stellt, ist einfach zu umreißen. Die Zeit, Lust und Aufmerksamkeit, die ein Partner einem anderem zumisst, richtet sich danach wie sehr er sich zum anderen hingezogen fühlt. Die Einzelnen haushalten mit ihrer Liebe. Das Resultat ist nicht Freiheit, sondern hauptsächlich Unsicherheit und die Frage wie hoch man gerade vom jeweils Anderen eingestuft wird. Polyamory-Anhänger argumentieren für ihre Theorie damit, dass sich bei vollem Vertrauen ein positives empathisches Gefühl einstellt, das entgegengesetzt zu Eifersucht ist.

Was versuchen diese beiden alternativen Beziehungsformen? Eine Partnerschaftlichkeit zu etablieren, wo eigentlich Handlungsfreiheit erträumt wird. Eine Handlungsfreiheit, die es eigentlich nur für Singles geben kann. Die Freiheit zu entscheiden wann und wo sich ein Sexpartner gesucht wird, wie weit man – in Übereinstimmung mit den Interessen des jeweils Anderen- gehen will und über welchen Zeitraum. Was dann natürlich fehlt ist die Behaglichkeit und Verbindlichkeit der Zweisamkeit und so rollen sich dann wieder die anderen Konzepte auf. Einfach mal heiraten, vorher ein revolutionäres Ehegelöbnix und dann freie Lust? Oder doch Singledasein und um mehr Nähe zu schaffen, noch dicke Freundschaften mit den Sexpartnern pflegen, oder belügt man sich damit selbst? Eine Hippiekommune ohne Schranken? Oder ab ins Kloster? Ein polyamores Liebesnetzwerk oder nurnoch anonymen Sex?

Nachtrag: bessere Texte zum Thema:
Magnus Klaue – Das Ende der Diplomatie
Junesixon – Irrsinnige Assoziationen zur möglichen gesellschaftlichen Bedeutung von Liebeskummer

„broken window theory“ in der Praxis

riot berlin

Die Leute denken immer dass in meinem Kiez lauter Gangster rumlaufen die Kopfschüsse verteilen. Das stimmt auch, allerdings sind die Gangster um die 10 Jahre alt und werfen nur Schneebälle (diesen Winter hat sie das Wetter aber eher im Stich gelassen). Um in der Hermannstraße keinen Schneeball an den Kopf zu bekommen habe ich einen Trick, ich begrüße die Gang und frage wie es so läuft. Da fällt der eine dem anderen in den Wurfarm und erklärt ihm: „Das ist unser Freund.“. Weniger Glück hatte der Polizist der vor 10 Jahren hier an der Ecke durch seine Schussweste hindurch mit panzerbrechender Munition erschossen wurde, in besagtem Fall waren das zwar echte Gangster – Bankräuber und keine der Straßengangs – aber trotzdem erzählt man sich die Story von hier bis zur Donaustraße mit recht unverhohlenem Stolz. Denn sie befördert den Mythos vom Gangsterkiez…

In meinem Haus leben auch ein paar Gangster, allerdings sind sie auch noch recht klein und außerdem nicht sehr kriminell. Ich habe einen kleinen Versuch zur sogenannten broken-window-theory gestartet, die besagt dass in einer Gegend – in diesem Fall unser Treppenhaus – die Kriminalitätsrate ansteigt sobald die ersten Scheiben kaputt gehen und die ersten Schmierereien auftauchen. Um den Versuch zu beginnen habe ich mit einem Filzstift ein Wort im ersten Stock hinterlassen. Innerhalb der letzten zwei Monate wurde daraufhin unser vorher fast sauberes Treppenhaus von oben bis unten bekritzelt, sogar eine Scheibe ist zerbrochen (tata!). Es haben sich drei konkurrierende Crews gebildet. Das lässt nun verschiedene Möglichkeiten offen, entweder die Crews bestehen jeweils nur aus einem Gangster, oder aber die achtjährigen aus dem dritten Stock mischen auch mit, oder die zehnjährigen aus dem Hinterhaus taggen jetzt auch im Vorderhaus. Die broken-window-theory funktioniert jedenfalls.

(Das Bild oben stammt übrigends aus einer ganz anderen Ecke, die U-Bahnplattform am Alexanderplatz. Ein paar Hooligans hatten sich mit Punks angelegt und waren dann in eine Schlägerei mit Cops geraten)

hier dann doch noch der hintergrund nachgereicht: 1982 schrieben G.I.Kelling und J.Q. Wilson den text „zerbrochene fenster“. darin heißt es „da ist ein verlassenes gebäude, unkraut wächst, jemand schlägt ein fenster ein, die erwachsenen beschimpfen die kinder nicht mehr, wenn sie lärm machen, und die kinder, so in ihrer abenteuerlust ermutigt, werden rebellisch. familien ziehen aus, der abfall wächst in die höhe, menschen trinken vor den läden, ein betrunkener bricht auf dem gehsteig zusammen und kann dort bleiben bis er sich erholt, bettler ziehen herum und belästigen passanten, und wo heute bettler sind, gibt es morgen diebe und dann mörder.“
so ein bisschen das gegenteil der gentrification-geschichte, bei der in den gebäuden mit den zerbrochenen scheiben zwischennutzungspioniere, dann kneipen, gallerien, boutiquen, bioläden und dann bald großkonzerne einziehen, während die armen verschwinden. in dieser vorstellung werden sie wenigstens nicht von den rebellischen kindern zu mördern gemacht…

broken windows theory gentrification broken windows theorie

noch ein paar worte zum winter in berlin

winter in berlin

Letzten Samstag haben sich 480 Leute wegen Glatteis verletzt, teilt dieses Dauerfernsehen in der U-Bahn mit. 482 muss ich korrigieren, denn ich habe mir in der Zionskirchstraße den Finger verstaucht als ich einen Böller zünden wollte. Wäre fast auf einen gefrorenen Hundehaufen gefallen. Man sollte sich halt nicht auf zu viele Sachen gleichzeitig konzentrieren, über Prenzlauerberg lästern, zur Kastanienallee schlittern, in die Kneipen gucken und lachen, Böller zünden und den Hundehaufen ausweichen.
Kurz vielleicht als Einschub eine Erklärung meiner Skepsis gegenüber Prenzlauerberg. Ich war vor Monaten mal dort, bei einer Art Poesieshow, bei der Leute die sich als die Nachfolger der Beat-Poeten sehen, ohne allerdings deren Lebensstil zu pflegen, (und deren poetische Begabung noch zur Diskussion stände) verschiedene Gedichte und Texte vortrugen. Da wurde dann über Busfahrer gelästert und über Touristen, zweiteres quasi eine Publikumsbeschimpfung, und über Neu-Berliner, eine Beschimpfung der anderen Publikumshälfte, sowie über verschiedene Stadtteile. Besonders schlecht kam der Postleitzahlbereich 12049 weg. Dort würden die Leute mehr grunzen als sprechen und alle wären dumme und verwahrloste Gangster. Da uns mit dieser Beschimpfung unseres Postleitzahlenbereichs durch die Prenzlauerberger Poeten schwer enttäuschten, fasste ich mit meinen Mitbewohnern den Entschluss nur noch höchstens alle zwei Monate dorthin zu fahren.
Ich bin also Nummer 481 der Verletzen dieser Nacht, mir tut den ganzen Abend der Finger weh. Mein Begleiter fällt in der Köpenicker Straße, in der Nähe der Köpi, einer der letzten großen Immobilien der Anarchistischen Wohnungsgesellschaft, auf den Bauch und zehn Meter weiter aufs Knie. Nummer 482.
Wir gehen in den Club Maria, Typen aus Brandenburg versuchen zu Drumm’n’Bass zu tanzen. Meinetwegen, sieht aber eher scheiße aus. Mein anderer Begleiter kriegt irgendwie einen philosophischen Film und fängt an davon zu schwadronieren wie komisch es denn sei dass diese ganzen Leute hier wie die Hippies fummeln, tanzen, die Zähne zeigen, Drogen einschmeißen und dann ab Montag wieder ganz normal zur Uni oder Arbeit gehen. Ich erklär ihm dass das mit den Hippies eigentlich schon immer so war. Mediengestalter in Skaterklamotten tanzen meine Begleiterin an, das sieht auch scheiße aus, und so betrunken wie die sind merken sie nicht mal wie sehr das nervt. Junge Dreadlockträger wollen mir alle möglichen Drogen verkaufen. Ich lehne dankend ab, hätte aber mal nach irgendwas zur Betäubung meines Fingers fragen sollen, der tut seit der Verstauchung irre weh. Jemand greift mir von hinten vorne an den Bauch, das finde ich eigentlich ganz nett wenn die Leute dann auch wieder loslassen. Passiert dieses Mal zum Glück auch. Das Problem wenn man in Berlin einen Kapuzenpullover trägt ist dass einen irgendwelche Rastafaris ohne Berührungsängste einfach mal anmachen ohne vorher zu checken ob man ihrer Zielgruppe (Frau) entspricht. Ich hab aber im Gegensatz zu Frauen wenigstens den Vorteil dass die Rastamänner sich erschrocken aus dem Staub machen wenn ich mich umdrehe. Ich will Sommer, weniger blöde Anmachen, und dass die Köpi bleibt.

kontrollbeflissenheit

u8 hermannplatz fahrscheinkontrolle foto von gak auf flickr, cc-lizenz

U8 Hermannplatz.
Er: Fahrschein bitte.
Zeigt mir seinen Dienstausweis
Ich: Den Betriebsausweis bitte auch.
Er: Aha, ein Student? Hol schon mal den Fahrschein raus.
Ich fange an zu nerven: Ich möchte erst überprüfen ob sie mich kontrollieren dürfen.
Er kramt ewig, verliert die Übersicht, hinter ihm gehen Leute unkontrolliert zum Ausgang, wir fahren in die Station ein. Er zeigt seinen Betriebsausweis, ich kontrolliere ihn, zeige mein Semesterticket.
Er ist sauer und kontrolliert noch ein paar Leute.
Dann kommt er zurück und fragt: Na, hat dich das befriedigt?
Ich: Ich hab das Recht nach dem Betriebsausweis zu fragen.
Er: Hat dich also befriedigt.
Ich: Befriedigt dich die Fahrscheinkontrolle?
Er: Hat dich also befriedigt.
Ich kenn das, wenn die Leute hier nicht mehr auf deine Antworten eingehen, wollen sie dir Böses.
Ich klugscheißer: Du kontrollierst und kriegst Kohle dafür, ich kontrolliere und kriege nichts dafür. Befriedigt wird hier niemand.
Er fängt an zu pöbeln, ich fang an zu pöbeln. Zwischen uns ist zum Glück eine Trennscheibe und ein Fahrgast, sonst hätte ich schon n bisschen Angst vor ihm bekommen.
Zwischenruf Fahrgast: Lasst einfach alles raus!
Ich steige aus, er auch. Er verabschiedet sich von seinem Mitkontrolleur. Läuft neben mir her, schlägt mit der Faust in seine Handfläche und sagt immer wieder vor sich her: Man sieht sich immer zweimal im Leben. Das mit den Wiederholungen kenn ich schon, denke kurz daran die Notruftaste an diesen SOS-Säulen zu drücken und dafür zu sorgen dass er wegen dieser bescheuerten Drohung seinen Job verliert, aber bitte, wie Scheiße wäre das denn? Also lass ich es bleiben und geh nach Hause um ein bisschen mit meinen Mitbewohnern über die BVG und Kontrolleure abzulästern. Kochen uns was von Aldi und lästern über das Wetter. Der Winter dauert schon viel zu lange, ich will wieder Sommer haben und Fahrrad fahren.

backjumps vortrag 31.07.2007

meine notizen beim heutigen vortrag im rahmen von backjumps, das meiste sind einfach zitate der vortragenden die ich hier in einen fliesstext einbette. eine etwas abgehackte verdichtung auf die gebrachten thesen, und die bildbeispiele fehlen natürlich.

I. streetart – reflexionen nach dem hype

die beiden kulturwissenschaftlerinnen und streetart-fans (wie sie sich selbst bezeichneten) christian schmidt und katrin klitzke haben vorhin im bethanien einen vortrag mit dem thema “streetart – reflexionen nach dem hype” gehalten. gleichzeitig war dies eine buchankündigung für ihr im dezember erscheinendes buch “streetart – legenden zur strasse”.

erstmal grenzten sie den kontext ein, der da wäre: im globalen kapitalismus befinden sich kulturstandorte in einer konkurrenz zueinander, es gibt dabei zentren und periphere bereiche. an diesen kulturstandorten findet eine musealisierung und theatralisierung statt, ersteres bedeutet dass die menschen zu statisten bzw. besuchern werden und zweiteres dass die szenerie der öffentlichkeit als statische bühne inszeniert wird. streetart wird in diesem kontext als lokale reaktion gesehen, die sich in raumaneignung und umnutzung, dem artikulieren von inhalten und der etablierung alternativer kommunikation äussert.

hier wurden wieder unterscheidungen getroffen, so gebe es einerseits künstlerinnen wie swoon und nomad die ein prinzip der egalitären partizipation ohne direkte politische aussagen verfolgten und im unterschied dazu leute wie ZEVS, die einen konkreten politischen ausdruck formulierten. ziel bei der in streetart gängigen mehrdeutigkeit sei die provokation von nachdenken und teilhabe.

probleme in diesem zusammenhang sahen die vortragenden in der lokalen beschränktheit und dem popkulturellen mythos von “der strasse”, den öffentlichen raum den sich im sinne von “reclaim the streets” angeeignet werden will gebe es in dem sinne garnicht, denn öffentlicher raum sei stehts ein bereich gewesen in dem die menschen normierung und diskriminierung ausgesetzt waren.

potential hingegen wurde von ihnen in der kommunikation eines “raumes für vorstellungen des völlig anderen” gesehen. doch da dies auch für werbung attraktiv sei würde hier schnell ein potentieller mehrwert von streetart abgegriffen und mit den innovativen formen die immunisierung gegen werbung überlistet.

und weiter ging es mit gentrifizierung: die streetart-aktivisten schüfen eine musealisierung von unten, eine unkommerziell betriebene aufwertung des stadtbildes, und seien damit pioniere der gentrifizierung. daraus entstünde dann handfestes ökonomisches kapital. hier kommt das splasher kollektiv aus new york ins spiel, diese kritisieren die rolle der kunst-aktivisten in der gentrifizierung und im spektakel.

als ein spezielles phänomen von streetart sei schliesslich auch noch zu beobachten, dass wohlhabendere künstler aus den zentren es sich leisten können herumzureisen und ihre werke zu verbreiten, dies verstärke zusätzlich den effekt der unsichtbaren peripherie.

die aufgezeigten widersprüche seien kein spezifisches problem von streetart, sondern treten seit jeher in subkulturellen praxen auf. der ausweg: mutig sein, ausbrechen, ausweitung der kampfzone im krieg der zeichen.

und: the future is unwritten.

II. disko

hier noch eine zusammenfassung der diskussion nach dem vortrag: christian warf die frage auf ob die theorie der gentrifizierung überhaupt auf die hiesigen metropolen übertragbar sei (das konzept stammt aus den USA). zumindest am boxi und in mitte sähe es aber ganz danach aus.

zum thema alternative kommunikation wurde nachgehakt, als antwort kam: diese würde auf verschiedenen ebenen ablaufen, beispielsweise der rein symbolischen, sowie der rezeption durch passanten, durch nachrichten wie bei lindas ex oder szeneintern wie tagging, crossen und nebeneinanderkleben.

zu den splashern kam die anmerkung aus dem publikum dass diese ihre kritik auch an die linke szene richte, die realen widerstand durch visuellen/virtuellen/künstlerischen ersetze. auch zum thema: in berlin gebe es eine gruppe von leuten die graffitis weiss überstreicht, mit einer ähnlichen intention wie die ny splasher.

eine kurze prägnanten kritik am stil vieler streetart-werke wurde formuliert: süsse menschen und blümchen zu malen sei doch kunstverständnis des 16. jahrhunderts. chapeau!

kurz wurde sich der frage gewidmet ob es auf dörfern streetart gebe, die einen meinten nein, andere brachten positive beispiele und ein berliner streetartist stellten von hinten die these auf dass es einfach teil einer jugendlichen sozialisation werden würde eine streetartphase zu haben. ich würde dazu sagen: definitiv gibt es in vielen dörfern einen kreativen prozess aus öffentlichen flächen, meist tags und sticker. die art von leuten die an streetart hauptsächlich teilnehmen ziehen aber meist eher in städte und metropolen und sind dort in ihrem umfeld aktiv und entwickeln ihre konzepte weiter.

vom leiter des kunstraums kamen noch anmerkungen zum einfluss des etablierten kunstmarktes und des mainstreams, letzterer würde sich in form entrüsteter journalisten immer dann bei ihm melden wenn die künstlerischen interventionen radikaler werden, beispielsweise in der zentrierten aktion von streetart und graffiti aktivisten im tunnel am alexanderplatz.

zur unterscheidung streetart/graffiti kam von christian dass es ja um aneignung an sich gehe und um die schaffung verstörender situationen, egal ob es jetzt kunst heisse oder nicht, wichtig sei die kommunikationsguerilla. im sinne von: nicht stadtteilarbeit, sondern riot. ausserdem sei eine abgrenzung zwischen graffiti und streetart eh nur in tendenzen möglich, bzw. unmöglich.

ein mensch bemängelte noch dass im rahmen von backjumps die besucher der überdose vernissage sich von streifenpolizisten in die innenräume hatten scheuchen lassen, wohingegen in wiesbaden die writerszene mal einen riot vom zaun gebrochen habe als die dortige hall of fame geschlossen wurde. der vergleich hinkte so ein bisschen.

III so what?

props an die beiden kulturwissenschaftlers für die zusammenfassung des aktuellen standes von streetart und den damit verbundenen themen inhalt-form-subversion-rekupation, angereichert mit beispielen aus der szene. viele der aufgegriffenen themen würde ich gerne mal mit leuten die kram auf den strassen machen weiter belabern, um an die thesen anzuknüpfen. schliesslich ging es sehr viel um die rolle der einzelnen aktiven und um die wirkung ihrer werke. ich sehe die möglichkeit die formen weiter zu reflektieren und sich auszutauschen.

“künstler lieben es zu hassen”

enttäuschend war der vortrag zu kunst-aktivismus in israel/palästina im rahmen von backjumps. der vortragende aktivist von anarchists against the wall nutzte die gelegenheit eher um ausführlich seine politischen einschätzungen bzgl. der trennmauer darzulegen. im eigentlichen kunst-bezogenen teil des vortrages drückte er sein missfallen für die arbeiten von banksy aus, da dieser sie nicht im dialog mit der bevölkerung angebracht habe, zu JRs face2face projekt urteilte er dass diese einen europäischen blickwinkel unterstützen, nämlich angeblich den konflikt zu verharmlosen indem die menschen auf beiden seiten als gleich betrachtet werden. seiner meinung nach müsse kunst auf der mauer einen politischen kampf unterstützen (”there should be a political statement to support a struggle”), wie das aussieht zeigte sich dann an den computergrafiken die er als positive beispiele politischer kunst anführte, eine palästinenserflagge und ein pali-tuch, gezeichnet in einem computerspiel in dem man auf der trennmauer graffitis üben kann. eine andere aktion seiner eigenen gruppe bewegte sich thematisch schon eher nah an JR’s arbeit, und zwar wurden auf beiden seiten der mauer projektoren installiert, die eine videoaufnahme der anderen seite zeigten, die mauer also “transparent” machten.

sein vortrag war insgesamt ein politisches statement für die anliegen der palästinensischen aktivisten, kunstbeiträge mit einer vermittelnden position (das genannte beispiel JR) reduzierte er auf die aussage “dieses ‘die leute sind gleich bla-bla’” (übersetzt). als kommentar zu dieser arbeit kam von ihm: “it’s ok to do something for peace”, es sei also schon in ordnung etwas für frieden zu tun, immerhin. insgesamt war sein vortrag leider von zynismus und verallgemeinerten vorwürfe an die israelis geprägt. beispiele hierfür waren israelische statistiken, die er zwar kurz anriss, um sie dann abfällig beiseite zu wischen. auch baute er eine art beweis anhand von 2 werken und 3 bildern auf der mauer auf, dass es eine tradition in israelischer kunst gäbe bei panoramas keine palästinensischen menschen darzustellen. den vorwurf der ignoranz gegenüber palästinensern unterstütze er mit photos von den 2 seiten der mauer an einem highway, wo auf der israelischen seite eine begrünte erdaufschüttung die höhe der mauer kaschiert, auf der palästinensischen seite hingegen die mauer bis zum boden freiliegt…

andere kunstprojekte wie ein workshop von eric drooker mit lokalen jugendlichen hat er leider nur kurz erwähnt, der fokus lag auf aktionen aus seinem eigenen umfeld. diese fixierung war schade, ich hätte eine breitere betrachtung des themas interessant gefunden. seinem titel “die trennungsmauer in palästina: künstler lieben es zu hassen” wurde der vortragende im engeren sinne jedoch gerecht, denn er als ein hassender künstler stellte sein projekt vor.