Archiv der Kategorie 'theorie'

queering faciality? about the fag face project.

„Accumulate cum so that your face becomes a volatile liquid surface with no eyes, nose, or mouth; keep the smell from rimming so that your face and ass are irreducible; let the pubic hair gather into different consistencies of stickiness; wipe the shit left on your fingers under your hidden, cum-filled eyes like war paint. Transform your face into a hypertrophized state of fag-ness. Let these new excesses dissolve readability. Let your fag face configure with these materials into that which is not identifiable. Once 1000 cocks have cum on my head and 1000 asses have wiped their shit and sweat there, try to tell me what my face is. We accelerate like this—fuck like this—to become faceless. Because a face is never ours.“ – Zach Blas on Version.org, March 15, 2011

The fag face project of Zach Blas / queertechnologies.info was presented through some texts and a 15 minutes video, and during the transmediale this year in berlin and it is currently in competition for funding through rhizome.org. A response:

You want to provide as tools or weapons three kinds of masks: The first mask is the mask that unites homosexuals under what you suspect to be a kind of common mouth formation that supposedly can be unconsciously analyzed by humans. So the person carrying the mask would only be recognized as part of a group that performs a specific oral sex practice, and not identified as an individual. First step. The second step is aimed at providing a training ground for a new faciality, through building a mask that has more extreme dimensions of expression than what humans are capable of performing. The third step then is to evade recognition and facial expression altogether and go into a fog that provides invisibility as a precondition for revolt and queerness.

By setting the camera eye and the human eye in one, you reduce the problem to recognition, and therefore you argue as if without recognition of individual faces there would not be the exclusion of those that are defined as deviant. Where you touch the question of oppression of deviancy, you introduce the fog, as a little trick cloud in which everything is invisible and that makes everything possible.

And, as a basic problem in your project, you cut off the discourse around faciality, that you try to take part in, by putting a mask before the face.

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gesichtsphilosophie

gesichtsphilosophie faciality history face philosophy

Die Schnittstelle (das Interface, das Blicken und Aussstrahlen) überwindet nicht nur den Raum: Ansehen ist einfühlendes Sehen, Gesichtssehen ist Gefühlsbegreifen. Nicht aufs Unmittelbare. Der Modus beim Ansehen ist kein Zerlegen, sondern ein Einfühlen, ein konstellatorisches Zusammendenken

Äußerlichkeit ist teils gespielt und teils unbewusster visueller Ausdruck des Gefühlten. Die Sprache ist daher das passende Modell, nicht das freigelegte, abgehörte Herz, das erkannte Gesicht, der Lügendetektor. Die maskenlose Kommunikation wäre die Abschaffung der Kunst, die in anderen Vorstellungen vielleicht im Mienenspiel aufgehoben wäre. Anders wäre jedoch die Hoffnung zerschlagen.

Suche den schmalen – wenn er überhaupt existent ist – Riss zwischen dem gespielten Gesichtsausdruck im Einklang mit den Typen, und dem was in der gespielten Miene das nicht typisierte ist, das richtige Spiel, das sogar in der Methode des Abbildmachens überleben kann, das zweierlei widerstehen muss, dem industriellen Stil und dem Identitätszwang der normierten Vorbilder. Abstrakter wird es scheinbar wenn der ganze Körper spricht, die Gesichter sind zu trainiert.

Das Gesicht ist in der Krise der Geschichte verfangen, versuch Gute Gesichtsphilosophie zu machen, nicht Gesichtsphilosophiererei. Es geht nicht um die Wahrheit, die Unmittelbarkeit, die totale Vermittlung von allen mit allen, die totale Transparenz, das Bescheid wissen über das Innen- und Außenleben aller Mitmenschen, es geht um weniger Gewalt (bis zum letzten Schmerz ein Mensch zu sein, des endlos freien Menschen) und eine andere Qualität, es geht um die Bedingungen der Gesichter, die Gesichter die der Geschichte unterworfen sind.

Die Miene stellt sich dar als ein gespieltes und als gespielt empfundenes Zeichen, bei dem, offensichtlicher als bei den Worten, ein offener Raum mitgedacht wird. Es ist schlichtweg eine Herausforderung dieses Thema in Kunst aufzugreifen, da ganz bewusst ein offener Prozess gestaltet werden muss, was Teilen gegenwärtiger Kunst und ihrer Mentalität des Effektheischens gegen den Strich geht, sei es nun Highpass am Mischpult, Signalfarbfelder, Symbolschlacht, Cartoonfigur oder Hartewortepoesie. Gemeint ist aber auch keine Beliebigkeit, unpolitisch nichtsagend, unendlich offen dahinzuknipsen und klecksen.

Darum geht es (manchen) beim pochoir/stencil. Abstraktion des Gesichtsausdrucks, zu ahnen wie durch ein Tuch. im Gegensatz dazu: Mona Lisa, dieses unergründliche erfolgreiche Kulturprodukt.

Mienenspiel: Eine Utopie, in der die Menschen mit einem zentralen Kommunikationsorgan, dem spielerischen Zeichensystem Gesicht, wirklich frei Spiele spielen. Nur gibt es keinen geschichtlichen Bruch, nach dem Motto heute nur Lookism, als zwanghafte Adaption der äußerlichen Normen, und morgen das freie Mienenspiel, sondern in der Wahl, zu schweigen und das Gesicht sprechen zu lassen liegt eine, von so vielen, Möglichkeit zur Entfaltung von Kommunikation: Nicht verstanden werden zu wollen, sondern zum Einfühlen aufzufordern. Diese Geschichte braucht Vorbilder.

Wir bezahlen schon mit Likes, vielleicht bezahlen wir bald mit einem Lächeln, die Stadt wird zum Laufsteg der Überflüssigen, die total Integration der Kulturindustrie versöhnt sich mit der Biopolitik. Die Klasse der Gesichtsperformer und die freigelegten Mienen der Beherrschten, die sich nicht beherrschen können. Wir müssen unsere zarten Mienenspiele anerkennen.

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Literatur

gemütlichkeit

why do we feel free only in small social circles? why is the global society such an uncomfortable place? and how should thinking about words and images help? let’s look at one word and some images.
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bauhaus, berghain, berlinale, banksy

ein wochenende in berlin

es sind sich manche besucher hier im bauhaus-archiv wirklich nicht zu schade, die politischen inhalte des bauhauses zu verneinen und historisch als vorgeschobenen repressionsgrund der rechten zu verorten. daneben steht dann eine schulklasse und notiert eifrig die schlagworte mit denen ihre beschränkten lehrenden ihnen die bauhaus-ideologie eintrichtern: every color has a form. es klingt nach: die dinge sind so wie sie das bauhaus unterrichtet, das bauhaus ist sinn- und zweckvoll, von dem könnt ihr was lernen. ich bin nicht dort um irgendwem an seinen ideologischen karren zu fahren, und schweige. gerade dass das bauhaus die dinge angenehmer anfassbar und ansehbar machte, darin ihren gebrauchswert betonte, bedeutet dass sie eine weltgestaltung anstrebten, in der wir mit modernsten gestaltungsmitteln, den maschinen, das leben der menschen weniger mühseliger und dafür freudvoller einrichten. bleibt nur zu hoffen, dass die litanei der lehrkörper die schüler ihre blicke auf die originalen unterrichtsmaterialien und die zitate an den wänden schweifen ließ und sie den mist den sie referiert bekamen als das durchschauten was er darstellt.

ich schreibe nicht über das berghain, ich denke manchmal sogar, das bild beim reingehen „fotografieren verboten“, sollte durch ein schild beim hinausgehen „berichten unerwünscht“ ergänzt werden. warum? weil die permantente rede über das berghain ein bild erzeugt, das viel zu statisch ist, das die erwartung an diesen ort so stark geformt hat, dass die einen nur wegen der reklame durch außenstehende (technobuch bei suhrkamp, technofilm im fernsehen, technobericht in springerpresse) und die anderen wegen des elitären scheins (absturzbücher von airen und hegemann, „wie kommt man ins berghain“ guides von deef) hingehen. es trifft also die erwartung von zügellosigkeit bei den einen, auf das gefühl dazu zu gehören bei den anderen. die einen wollen rausch (weit gefasst), die anderen haben ihn schon durchs reingekommen sein. dann genügt sich der besuch schon selbst, die einen finden sich und bestärken durch ihren anblick der gruppe, die auf die reklame angesprochen hat, dass die reklame stimmt. alle befriedigt.
eins noch zu den berichten, manche kommen mit dieser situation nicht klar, verständlich, und holen sich dann den rausch danach, erzählen in ihrer zeitung, ihrem blog, ihrem buch wie toll das alles gewesen sei, als die freiheit so nah schien. der hipsterblogger von iheartberlin jedenfalls, dem blog mit einem inhaltslosen und nur der selbststabilisierung dienenden kommentar zu der neudekoration der panoramabar, fiel auf jeden fall darunter. so war er dann zu sehen wie er selbstzufrieden seinen blick über die so von seinem co-blogger schonungslos kritisch (von wegen! belanglos halt.) beschriebenen werke schweifen ließ, bevor er mit einer immobilienseite auf dem iphone display durch die menge lief und endlich etwas lieferte, was den parties dort so oft fehlt: eine negative identifikationsfigur.

ein ganz schönes spektakel ist diese berlinale, die stars sind da, die filme werden ohne werbung, dafür mit applaus präsentiert. beziehungsweise muss vor dem film nicht mehr für die anderen filme und andere produkte geworben werden, die marke berlinale ist ja eh omnipräsent und hat ihre eigenen nebenprodukte wie die unansehnlichen taschen. und dann gehen die leute mit begeisterung hin. überall ein stimmengewirr, in dem es kaum um den letzten film, sondern hauptsächlich um den nächsten geht. viele sehen sich mehrere filme am tag an, klar ist ja auch nur eine woche. dabei verkommt der film – falls er überhaupt noch verkommen kann – vom eindrucksvollen und unterhaltenden medium zum marathon der kultur. leistungssportler, die sich kultur reinfahren. doch wird sie nicht mal reingelassen, es geht ja darum möglichst viele werke mitzunehmen. die kompetenz beschränkt sich darauf alles zu kennen, alles gesehen zu haben, sich ein bild gemacht zu haben. und selbst wenn es nicht so wäre, armseliger leistungssport wäre es trotzdem, innerhalb von stunden in unterschiedlichste filmwerke einzutauchen und durch die stadt von filmpalast zu filmpalast zu hetzen.

jetzt da alle banksy gut finden, wurde es zeit, dass der große unbekannte mal zeigt, was hinter den werken auf der straße steckt, sich auf die finger und ins atelier sehen zu lassen. was hiermit geschehen ist, der banksy film läuft bei sundance und berlinale und wir kriegen alles zu sehen, außer das gesicht. damit das ganze aber den subversiven anstrich bekommt, den das banksy publikum braucht um ihn auch abseits des grundsätzlich rebellisch codierten gebrauchs von sprühdosen an wänden (was ihn in einer doch recht großen bewegung ziemlich untergehen lassen würde) super zu finden, bekommt der film seine kritische note in der vorführung eines verrückten filmemachers, der im schnellspurt auch eine streetart und popart karriere startet, nur ohne selbst das ganze durch harte arbeit verdient zu haben. die szene ließ ihn ja nur mitmachen, weil sie dachten, dass er für sie arbeitet und eine doku macht, dabei filmte er nur aus wahn. das erworbene szenewissen um die subversiven styles und die starqualitäten der hervortretenden künstler, ermöglichte ihm nach dem scheitern als filmemacher doch noch den kommerziellen erfolg als bildkünstler. die moral, von der banksy behauptet, dass es sie hier nicht gebe, ist dann doch noch die, dass die masse alles toll finden, was diesen ironisch subversiven touch hat, der blick hinter die kulissen aber offenbart, wem als kenner zu folgen sei, banksy mit seinen „politischeren“ karikaturen und shepard fairy mit seiner „theoretischer“ untermauerten strategie. wie so viele produkte über streetart (etwa das legenden zur straße buch), musste dieses gemacht werden um das konzept streetart abzuschließen, theoretisch, moralisch, politisch. dieser prozess ist trotzdem zu bedauern. in dem film sagt banksy, dass er früher jedem empfohlen habe kunst zu machen, seit er auf den filmemacher traf, dies aber nicht mehr so oft tue. „kunst ist schön, macht aber viel arbeit“, außer man ist verrückt, soll also der gipfel der erkenntnis, abseits des es-gibt-keinen-witz, es-gibt-keine-moral vernebelns im film, aus den ersten jahrzehnten der streetart sein?

die entzauberung der szenen darf nicht den feuilletons überlassen werden, die kommodifizierung und vermassung der subkulturen muss aus ihnen selbst besehen und gestört/dirigiert werden. ist ein fortschritt erreicht, wie die akzeptanz von perversion in form des berghains, von progressiver gestaltung in form des bauhauses, von illegaler öffentlicher kunst in form von banksy, erst dann gilt es diese formen zu stabilisieren und auszuweiten, denn wie schon die gewählten worte (pervers, illegal, progressiv) andeuten, sind die geformten ansprüche längst nicht eingelöst, ist die reale schranke, die die schranke im kopf bedingt, noch nicht beseitigt. erst durch die überwindung der realen grenzen wird den leuten, das was schon als kulturware genießbar ist, auch zugänglich.